„wünschten wahr zu finden. Geht das nun so bey Leu-„ten, die alle Hülfsmittel zur Einsicht der Wahrheit be-„sißen, daß dennoch ihre männliche Betrachtungen durchden Hang von kindlichen Vornrtheilen eben so leicht zu„Irrthümern als zur Wahrheit gelenkt werden können:„was würden die Herren Theologi, bey gemeinen unstu-„dirten Leuten, für aufrichtige Ueberführung schaffen kön-„nen, wenn sie da eine vernünftige Einsicht der Religion„Hinternach auf die einmal ihnen eingeprägten Vorurtheile„zu gründen ansingen? Die allenneisten unter ihnen wür-„den nicht einmal fähig seyn, die ihnen ganz fremde Lehr-„art zu fassen, gefchweige die Vorstellung zu beurtheilen,„da sie bisher in den Schulen nach den eingeführten Lehr-„büchcrn, zu keinem Denken und zur Uebung der Ver-nunft angeführt sind.
Z. 2. „Aber, das ist auch in der That der Vorsitz„der Herren Prediger nicht, daß sie die Erwachsenen„nunmehr von der Canzel zu einer vernünftigen Religion,„und zur vernünftigen Einsicht der Wahrheit des Chri-„stenthnms, unterrichten wollten. Sondern man schreckt„vielmehr diejenigen, welche nun Lust bekommen mögtcn„nachzudenken und auf den Grund ihres bisherigen blin-„dcn Glaubens zu forschen, von dem Gebrauche ihrer„edelsten Natur-Gabe, der Vernunft, ab» Die Ver-dunst wird ihnen als eine schwache, blinde, verdorbene„und verführerische Leiterinn abgemahlt; damit die Au-,,hörer, welche noch nicht einmal recht wissen, was Ver-„nunft oder vernünftig hcisse, jetzt bange werden, ihre„Vernunft zur Erkenntniß göttlicher Dinge anzuwenden,„weil sie dadurch leicht zu gefahrlichen Irrthümern ge-
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