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Zur Geschichte und Litteratur : aus den Schäzen der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel / von Gotthold Ephraim Lessing
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bracht werden mogtcn. Es heißt da: was der Menschdurch eigene Kräfte von Gott erkenne, das helfe ihmnichts zur Seligkeit, alles was nicht aus dem Glaubenkommt, sey Sünde; der natürliche Mensch fasse die Din?ge nicht, die des Geistes Gottes sind, sie seyn ihm eineThorheit und er könne sie nicht erkennen, dieweil siegeistlich geurtheilt werden müßten. Darum vermahnensie, als mit des Apostels Pauli Worten, daß wir unsreVernunft gefangen nehmen sollen unter den Gehorsamdes Glaubens. Diese Vorstellung kann in den christ-gläubigen Seelen, bey aller übrigen Anwendung ihrergesunden Vernunft in weltlichen Dingen, nichts anderswirken, als daß sie sich demnach in der Erkenntniß Got-,,tcs sorgfältig hüten, nicht vernunstmaßig zu denken,,,und sich nur befleiß-'gen fein gehorsahmlich zu glauben»Die vernünftige Religion, meinen sie denn, könne ih-nen ja doch zur Seligkeit nicht helfen, aber leicht daranhinderlich seyn, daß sie am Glauben Schiffbruch litten.Also gehen sie gerne den kürzesten und sichersten Weg,und enthalten sich des Gebrauchs der Vernunft, sobaldes die Erkenntniß göttlicher Dinge betrifft, welche ge-glaubt und geistlich beurtheilt seyn wollen. Es ist ihnenan sich bequemer einfältig zu glauben, was sie einmalgelernt haben, als viel nachzudenken, und wie es dennheißt, zu grübeln und zu philosophiren. Ja ich habemanche Gelehrte und in allen übrigen Stücken Vernunfttige teilte gekannt, die von der Warnung gegen die Ver-nunft dergestalt eingenommen waren, und die bey demGlauben empfundene Sicherheit so sehr liebten, daß siesich selbst nicht zutrauten, in NeligionS- Sachen sich mit

Nach-