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„Kaufmannschaft, Künste, Wissenschaften, Kriegs-Ue-„bungen, oder auch Civil- undHofbediennngen, aus dem„Staube mehr empor zusteigen, oder sie setzen sich auf„ihre Guter, treiben das Landwesen, verzehren ihren ge-erbten Ueberfluß in Wohlleben. Bey allen solchen Le-bensarten, werden die Menschen entweder in das geschäf-tige Gewühlc ne.ch zeitlicher Ehre und Reichthümern so,,verneft, oder in dem müßigen Genusse abwechselnder„Ergvtzungen so ersoffen, daß sie sich gern einer weiter»,,Forfchung nach Wahrheit überhoben sehen, und ihre„Seelsorger für sich denken lassen. Ein großer Theil„schweift gar ans in sinnlichen Lüsten, Leichtsinn, Lasiern,,und Geringschätzung der Religion, da entweder das„glaubige Vertrauen auf ein fremdes Verdienst die Re-„gungen ihres Gewissens stillen muß, oder doch zum äus-sersten Trost in der letzten Stunde verspart wird.
§. Z. „Sehet denn, was den blinden Glauben ohne„vernünftige Religion allen Ständen und Lebensarten be-„liebt zu machen pflegt, und wie sich der geistliche Orden„dieser Schwachheit d>'r Menschen zur Unterdrückung dergesunden Vernunft in der Erkenntniß Gottes zu bedie-nen weiß. Ich will noch nicht untersuchen, ob das wahre„Christenthum, oder auch der äußerliche Zustand derKir-„che durch dieses Mittel etwas gewinne. Meine Erste„Frage soll jetzt nur seyn: Haben die Herren Theolog !„darum recht, daß sie die Vernunft und vernünftige Re-„l'gion durch den Glauben verdrengen und ersticken?„Das Beyspiel ihres großen LehrerSJcsu ist darinn nicht„auf ihrer Seite. Denn der hat nichts als eine vernünf-tige