Zeitschrift 
Zur Geschichte und Litteratur : aus den Schäzen der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel / von Gotthold Ephraim Lessing
Seite
274
Einzelbild herunterladen
 

^-2---(274). ^-'--^^

nichts weiter sagen, als was auch von aller andern Er-kenntniß gilt, daß sinnliche Affeercn alle heilsame Le'irennnfruchibar machen. So sprick^t er demnach hier in Ab-sicht auf die lebendige Erkenntniß des Evangelii: EinMensch der voller Affekccn ist, der Neid, Zank nndZwietracht im Herzen hat, der kann die Wirkungen desGeistes Gottes zu seiner Bekehrung nicht annehmen;sie sind ihm noch eine Thorheit, die er verachtet; erkann sie nicht nach ihren Wesen und Nutzen erkennen,weil sie nach dem Geist zu schätzen sind. Der Apostelhat es hier gar nicht mit solchen Leuten zu thun, die sichmit Vernünfteleyen dem Evangelio widersetzten, und esetwa wie die Griechen, darum für Thorheit hielten,weil sie nach nichts als nach philosophischer Weisheitfragten; sondern mit solchen, die das Evangelium aller-dings gläubigst angenommen hatten, aber über denVorzug ihrer verschiedenen Lehrer in einen heftigen Zwie-spalt gerathen waren, daß sie die Frucht des Evangcliidarüber vernichteten. Er will also nur die Affeklen und^unnütze Jankercycn unterdrücken, welche der lebendigenErkenntniß und Einwirkung des Geistes Gottes zurWeisheit, Gerechtigkeit und Heiligung den Weg ver-sperreten. Was haben denn die Verstandes - Kräfte,das Vermögen und die Einsicht der Vernunft, die theo-retische Erkenntniß der Geheimnisse hieben zu schaffen?Da lag es in der corinihischen Gemeine nicht an, weilsie nun alles gepredigte ohne Widerrede glaubten, son-dern an den ungezahmten fleischlichen Äff kten. Wie,,mögen denn die Herrn Theologi diese Stelle, wider denGebrauch der Worte, wider die Gelegenheit und Ab-

..sicht