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Zur Geschichte und Litteratur : aus den Schäzen der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel / von Gotthold Ephraim Lessing
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uns voraus gehabt hatten. Denn sie scheinen vor ihrem,,Falle weder Gott noch den Teufel, weder die Natur nochsich selbst, zureichend gekannt zu haben; indem sie sichdurch den sinnlichen Reitz der schönen Aepfel, auf dasAureden einer verführerischen Schlange, oder des Teu-felö, so gleich verleiten lassen, wider das klare VerbotGottes zu handeln, und das zu thun, was in der Thatböse war. Sie vergehen sich also eben dadurch, daß siekeine Vernunft brauchen und. den trieglichen Sinnen und,.falschen Ueberredungen in großer Uebereilung folgen.Wenn nun die ersten Menschen, in ihrem vollkommcn-sten Stande der Unschuld, ohne Erbsünde an sich zu ha-ben, dennoch wie wir, haben fehlen und sündigen können,und wenn sie aus eben der Ursache, wie wir, gesündiget,daß sie die sinnlichen Begierden und Affekten nicht durchihre Vernunft bezwungen: wie will man denn aus die-ser Geschichte ein Verderben unsrer edelsten Naturkrafteherleiten, und besonders die Vernunft eines solchen Ver-derbens bezüchtigen, daß sie in der Erkenntniß göttlicher,,Dinge blind, und ihr Gebrauch bey derselben gefährlichsey. Die Verfäumung dieses Gebrauchs wäre geradeder Weg, daß wir eben alfo von der wahren ErkenntnißGottes und von dem Gehorsam, welchen wir seinen Ge-boten schuldig sind, abweichen, als uns von unsern erstenEltern berichtet wird. Die Herren Prediger wären also,als wahre Seelsorger, schuldig, allen und jeden Zuhö-rern die gesunde Vernunft und ihren Gebrauch, als eineuntriegliche Richtschnur der göttlichen Erkenntniß undeines frommen Wandels zu empfehlen, und ihnen viel-mehr zu sagen, daß unsre ersten Eltern eben darum ge-fallen