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Zur Geschichte und Litteratur : aus den Schäzen der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel / von Gotthold Ephraim Lessing
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fallen wären, und sich den Versuchungen des Satansbloß gesteller hatten, weil sie keine Vernunft gebraucht.Und siehe! sie folgern ganz verkehrt daraus, daß unsreVernunft nunmehr von Natur verdorben sey, und daßes Eingebungen des Salanö sind, wenn jemand ingött-lichen Dingen feine Vernunft zu brauchen anfängt. Mußnicht der chrisigläubige Zuhörer, nach diefer Vorstellungvon dem Verderben seiner Vernunft, in seiner Einfaltdenken, er habe, wegen der Erbsünde, keine gesundeVernunft mehr, wenn es auf göttliche Wahrheiten an-kömmt, und keine Freyheit des Willens mehr, um etwasselbst zu thun und zu üben, was gut und Gott gefalligwäre?

Z. 7. Mögte doch ein jeder sich so viel ermannen, daßer mit seiner jetzigen Vernunft einen Versuch machte, ober nicht, nach der bloß natürlichen Erkenntniß, viel rich-tiger von Gott, und seinem Verbot im Paradiese, zuurtheilen vermögend sey, als die ersten Eltern sollen ge-urtheilet haben. Wir sind ja durch die bloße Vernunftvon Gottes Wahrheit, Weisheit, Güte und Macht ge-nugsam überführt, daß wenn er unmittelbar seinen Wil -lcn zu erkennen gäbe, wir sollten nur von dem einenFruchtbaume mitten im Garten nicht essen, alle dieübri-gen wären uns zur Nahrung erschaffen, so würden wirnimmer auf die Gedanken fallen, Gott habe das nichtgesagt, oder so gemeynt; er wisse es selbst besser, daßvon dem Baume gut zu essen sey, daß er klug machte,und wir dadurch an Weisheit ihm gleich werden konnten,zu unterscheiden, was gut oder böse sey. Wenn wir auchdie Ursache des Verbots nicht errathen könnten, so wür-

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