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^zugleich seyn und nicht seyn. Nach dem erster« muß„man von einem Dinge gedenken, was mit demselben„übereinstimmt; nach dem letztern kann man von einem„Dinge nicht gedenken, was ihm widerspricht: Diese Re-„geln gelten nicht allein in der Weltweisheit und Ma-thematik, sondern in allen und jeden Wahrheiten, selbst„in der Schrift und Theologie. Die Schrift sagt z. E.„Gorc ist wahrhaftig: es ist unmöglich, daß„Gorr lüge, und unmöglich, daß ihn erxvav ge-„reue. Warum? weil jenes mit dem Begriffe von„Gott und dessen wesentlicher Vollkommenheit übcrein-„stimmt, dieses ihm widerspricht. So bedienen sich die„Propheten der Negel des Widerspruchs, wenn sie den„Juden die Ungereimtheit ihres heydnischen Götztndicn-„stes vorstellen wollen; da sie einen Schöpfer verehrten,„den sie selbst mit ihren Handen gemacht hatten, ein tod-„tes Holz und Stein statt des lebendigen Gottes. Gö-„Hen, die Augen hatten und doch nicht sahen, Ohren hat-„ten und doch nicht hörten. Die Schrift legt demnach„die Vernunft und ihre Regeln, in dein was des Geistes„Gottes ist, zum Grunde der Wahrheit. So muß sie„denn wol nicht von Natur verdorben, sondern vielmehr„selbst in der Erkenntniß Gottes brauchbar, und eine ge-izwisse Richtschnur seyn, wahres vom falschen zu unter-„scheidcn. Die Herren Theologi bringen auch den rech-„ten Verstand der Schriftörter, und das daraus aufge-„richtere Lehrgebäude, durch lauter Vernunstschlüsse, her-„aus: und wenn sie einander des Irrthums beschuldigen,„so muß ihnen die Vernunft die Wisse" dazu leihen.„Der Lutheraner will den unbedingten Rathschluß Got-
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