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„de es bey allen Völkern gehen. Wenn denn die Offen-barung auch nur zu einer gewissen Zeit geschahe, Hers„nach aber durch Menschen fortgepflanzet werden sollte:„so verlieret sie immer mehr von ihrer Glaubwürdigkeit,„da sie von Hand zu Hand, von Mund zu Mund gehet,„und da nun nicht eines oder weniger Menschen Einsicht„und Ehrlichkeit, sondern auch so vieler lausenden zu ver-schiedenen Zeiten Leichtgläubigkeit und Eigennutz müßte„untersuchet werden; welches zu thun fast unmöglich ist.„Ein Nachbar hat zuweilen grosse Mühe, die wahren„Umstände dessen zu erfahre«, was zu seiuer Zeit in sei-„nes Nachbaren Hause geschehen ist: wie viel schwerer„ist es nicht, zuverläßig zu erkennen, woher in eines an-„dern Gehirne die Traume und Denkbilder entstanden;„ob sie von ihm ersonnen sind; ob sie von der Natur oder„unmittelbar von Gott ihren Ursprung gehabt? Wie„viel muß nicht ferner in so manchen Jahrhunderten die„Glaubwürdigkeit abnehmen; wenn einer, der derglei-„chcn zu seiner Zeit von einem andern für wahr halt,„solches seinen Kindern, die Kinder wieder seinen Enkeln,„die Enkel seinen Urenkeln, und so weiter, erzählen? Da„wird aus der allergrößten Glaubwürdigkeit eine Wahr-scheinlichkeit, dann eine Sage, und zuletzt ein Mähr-„lein. Es kömmt denn noch dazu, daß bey allen diesen„verschiedenen Völkern, (wie allgemeine Erfahrung und„Geschichte weisen), viele fälschlich eine Offenbarung vor-„geben können, welche von andern Offenbarungen ganz„verschieden, und jenen widersprechend, und dennoch auf„einerley Weise bestätiget ist. Rühmt sich die eine gött-liches Eingebens, Gesichte und Träume: die andern auch.
„Beruft