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Zur Geschichte und Litteratur : aus den Schäzen der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel / von Gotthold Ephraim Lessing
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Beruft sich die eine auf geschehene Wunder; die andernführen eben dergleichen für sich an. Hat die eine einenSchein vor sich: die andern haben auch den ihrigen»Hat diefe oder jene vieles wider sich: es ist keine vonstarkem Anstoße oder Vorwürfe frey. Wie will einMensch, der unpartheyifch zu Werke gehet, und nichtgleich die väterliche und großvaterliche Religion als einegute Erbschaft antritt, oder für baare göttliche Offen-barung halt, aus diesem Vorgeben herausfinden?,,wenn er zumal viele hundert ja tausend Jahre hernachlebt: wie will er das wahre von dem falschen gewiß un-terfcheiden? Dieß ist aber gerade der Fall, welcher sichin der That findet, und durch die Erfahrung bestätigetwird. Es sind fast bey allen Völkern, selbst bey denHebräern, etliche gewesen, die fälschlich eine Offenba-rung, die fälschlich Wunder vorgegeben, und die daraufzum Theil auch eine Religion und Gottesdienst gebauet.Weil doch aber eine jede Offenbarung fast einer jedenwiderspricht: so folget erstlich, daß sich Gott dieses Wc-ges , nemlich bey vielen Völkern sich zu offenbaren nichtwirklich bedienet habe. Es folget aber auch, daß sichGott dieses Weges vermöge seiner Weisheit nicht be-dienen könne: denn er würde dadurch »m so viel weni-ger zu seinem Zwecke kommen. Er bezeugte erstlich einDing an mancherley Orten, und durch mancherley Per-sonen, in mancherley Worten und Sprache. Nun istnoch wohl möglich , daß ein Mensch oder Zeuge mit sei-ner eigenen Aussage oder Lehre übereinstimmet; aber jemehr ein. Ding durch vieler Menschen Mnnd oder Federbezeuget wird, je mehr Widerspruch und Verschieden-

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