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„Beruft sich die eine auf geschehene Wunder; die andern„führen eben dergleichen für sich an. Hat die eine einen„Schein vor sich: die andern haben auch den ihrigen»„Hat diefe oder jene vieles wider sich: es ist keine von„starkem Anstoße oder Vorwürfe frey. Wie will ein„Mensch, der unpartheyifch zu Werke gehet, und nicht„gleich die väterliche und großvaterliche Religion als eine„gute Erbschaft antritt, oder für baare göttliche Offen-barung halt, aus diesem Vorgeben herausfinden?,,wenn er zumal viele hundert ja tausend Jahre hernach„lebt: wie will er das wahre von dem falschen gewiß un-„terfcheiden? Dieß ist aber gerade der Fall, welcher sich„in der That findet, und durch die Erfahrung bestätiget„wird. Es sind fast bey allen Völkern, selbst bey den„Hebräern, etliche gewesen, die fälschlich eine Offenba-„rung, die fälschlich Wunder vorgegeben, und die darauf„zum Theil auch eine Religion und Gottesdienst gebauet.„Weil doch aber eine jede Offenbarung fast einer jeden„widerspricht: so folget erstlich, daß sich Gott dieses Wc-„ges , nemlich bey vielen Völkern sich zu offenbaren nicht„wirklich bedienet habe. Es folget aber auch, daß sich„Gott dieses Weges vermöge seiner Weisheit nicht be-dienen könne: denn er würde dadurch »m so viel weni-ger zu seinem Zwecke kommen. Er bezeugte erstlich ein„Ding an mancherley Orten, und durch mancherley Per-sonen, in mancherley Worten und Sprache. Nun ist„noch wohl möglich , daß ein Mensch oder Zeuge mit sei-„ner eigenen Aussage oder Lehre übereinstimmet; aber je„mehr ein. Ding durch vieler Menschen Mnnd oder Feder„bezeuget wird, je mehr Widerspruch und Verschieden-
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