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§Z. „Erstlich haben Kinder bis zehn Jahre schlech-terdings keine Fähigkeit eine Offenbarung entweder zu„verstehen, oder mit Grunde davon zu urtheilen. Denn„was zarte Kinder betrifft, die erst auf die Welt kom«„mc'n, so können sie zwar mit Waffer besprengt, und un-ter beygefügtem Formular getaust werden: es können'„andere Erwachsene statt ihrer ein Glaubens-Bekennt-niß dabey ablegen, und alsdenn statt ihrer ja sagen,„wenn gefragt wird, ob sie auf solchen Glauben wollen„getauft seyn? Allein die Kinder haben noch nicht die ge-„ringsrcn Begriffe, sie künuen noch nichts von einander„unterscheiden, und sind sich dessen, was mit ihnen ge-schiehet, im geringsten nicht bewußt. Weil nun kein„Glaube, Religion, oder Erkenntniß von Gott und gött-lichen Dingen ohne Begriffe mag gedacht werden: so ist„nicht möglich, daß diese getaufte Kinder einen Glauben„von der Offenbarung haben. Will man sich etwa auf„eine übernatürliche Wirkung Gottes in die Seele beru-„fen, dadurch ein Glaube gewirket würde: so müßte man„doch gestehen, daß dieser gewirkte Glaube aus der Tau-„fe, ein Glaube ohne Begriffe, und also ganz was an-„ders sey, als der Glaube, welchen die Kinder nachmals„in den Schulen aus dem Catechismo lernen. Denn hätte„der heilige Geist in den getauften Kindern ein Erkennt-„niß von Gott, von den drey Personen, von Christo,„von seiner Person und Naturen, von seinem leiden und„Sterben», s. w. gewirkt: was brauchte es denn nach-„hcr eines elenden Schulmeisters, um dieses Erkenurniß„den Kindern einzupflanzen? könnten die Begriffe, so der„heilige Geist gewirkt, so bald verschwinden? könnten die
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