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Zur Geschichte und Litteratur : aus den Schäzen der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel / von Gotthold Ephraim Lessing
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«Lehrlinge ans der Schule des heiligen Geistes so roh,z,unwissend, einfältig und dumm in die A. B. C. Schule5,kommen, daß ihnen auch nicht die geringste Spur desErlernelen zurückgeblieben wäre? Es ist also aus derNatur der Menschen in der Kindheit, und aus dem,was Kinder nachmals von sich blicken lassen, offenbargenug, daß ihnen durch die Taufe kein Glaube an dieOffenbarung, der in Erkenntniß oder Begriffen beste-het, gewirket sey, noch habe gewirket werden können»Wer aber einen Glauven ohne alles Erkenncniß und Be-griffe sich einbilden wollte, der würde sich vergeblich be-mühen, ein widersprechendes Ding zu gedenken. Esscheinen auch die Stifter dieser Ceremonie wohl eingese-hen zu haben, daß die Taufe den Glauben nicht wirkenkönne. Denn sie lassen die Gevattern im Namen desKindes schon vor der Taufe das ganze Bekenmniß desGlaubens ablegen, und dann fragen sie: willst du aufsolchen Glauben getauft seyn? Wenn sie in den Gedan-ken gestanden waren, daß die Taufe den Glauben wirk-te: so würden sie erst geordnet haben, die Kinder zutaufen, und hernach das Bekenntniß des Glaubens, sodie Taufe gewirkt harre, abzulegen» So aber machen siees umgekehrt: es antworten die Gevattern statt desKindes, daß es glaube an Gott den Vater als Schöpffer, an Gott den Sohn als Erlöser, an Gott den heili-gen Geist als Heiligmacher, und das Kind wird auf ei-gen Glauben, den es schon hat, und dessen Bekenntnißes schon abgelegt, getauft und zur christlichen Gemeineangenommen. Wie kann man denn sagen, daß dieTaufe erst den Glauben wirke? Es ist aber daraus of-fenbar.