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Zur Geschichte und Litteratur : aus den Schäzen der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel / von Gotthold Ephraim Lessing
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ob er nicht glaube, die Religion, darin er erzogen wor«den, sey die einige wahre und seligmachende? ob ernicht daher unnöthig zu seyn glaube, sich um andere Re-ligionen viel zu bekümmern? ja ob er es nicht fast fürsündlich erachtet hatte, sich nach andern, als bessern,,,umzufehen, und aus Reizung zu denselben ihre Bücherzu lesen und nach ihren Lehrern zu lausen? Eben das ha-ben die Heyden, und noch weit mchreres für sich, da siedie Christen für die gottlosesten Menschen auf der Weltzu halten Ursache haben, und also durch das, was sieäusserlich von dem Christenthume wissen und sehen, kei-ne Lust bekommen können zu forschen, worinn ihre Lehreeigentlich bestehe; sondern vielmehr durch die äusserlicheGestalt desselben, so die erste Reizung zum Erkenntnissedesselben geben sollte, einen starken Eindruck des Ab-scheues und Widerwillens bekommen. Da sie denn auchwahrnehmen, daß die Christen selbst unter sich in so vieleSecten vertheilet sind, und sich unter einander verketzernund verdammen; da die Stücke des Christenthums,welche sie von allen Secten als einstimmige Wahrheilenhören, der Vernunft des Menschen ein Aergerniß undThorheit sind; und da endlich die Wunder-Geschichte,worauf sich alles gründet, an sich unglaublich, und jetztunmöglich von Heyden zu untersuchen sind: so müssenwir alle Heyden und fremde Religionen, zu welchen inneuern Zeiten die Christen und der Ruf des Christen-thums gekommen ist, von der Zahl derer, bey welchendas Christenthum möglich sey, ausschliessen. Die Ge-schichte und Erfahrung bewahret auch, was ich sage, in-dem in den zwey bis dreyhundert Jahren, da man un-bekannte