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Zur Geschichte und Litteratur : aus den Schäzen der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel / von Gotthold Ephraim Lessing
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».welche sowol alle übrige Eigenschaften der Missionarien,als auch diese Geschicklichkeit an sich hätten, daß sie alleSprachen fertig redeten, damit man sie in die ganzeWelt vertheilen, und allen Völkern und Zungen predi-gen lassen könnte. Wenn wir die Sprachen, wie billig,,,als verschiedene Sprachen ansehen, darinn einer den an-dern nicht verstehen kann, wo er sie nicht besonders ge-lernet hat: so werden wir auf dem Erdboden gerne Zooverschiedene Sprachen zahlen können. Ich will gernezugeben, daß diese aus viel weniger» Haupt-Sprachenstammen; aber weil wir hier auf die Verkündigung der».Offenbarung sehen, welche mündlich oder schriftlich ge-schehen soll; so müssen wir so viele Sprachen setzen, alssich Völker ein ander in der Mutter-Sprache nicht ver-gehen können. Denn wer wollte z. E. alle die Spra-,,chen für eine halten, welche aus der Sclavonischen oderTeutschen entstanden sind? Wenn er einen Prediger desEvangelii bey den Europäischen Völkern abgeben woll-te: so würde er wohl sehen, daß er mit diesen Stamn^Sprachen nicht auskäme, und daß er weder die j.eute,noch die leute ihn verstehen könnten. Wenn wir nundiesen Begriff zum Grunde legen, so sage ich gar nichtzu viel, daß Zoo verschiedene Sprachen auf dem Erd-boden sind. Herr Chamberlaine hat allein das GebetJesu in lZ2 Sprachen drucken lassen, und man könntedas zweyte Hundert leicht voll machen, wenn man diedarinn fehlende Übersetzungen, die schon bekannt sind,hinzufügen wollte. Wie viele Sprachen aber sind unsnoch ganz unbekannt. Man rechnet allein in Americaüber 1000 Sprachen, deren jedoch viele solche Ver-wandtschaft