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Zur Geschichte und Litteratur : aus den Schäzen der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel / von Gotthold Ephraim Lessing
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aber andere für sich denkn, und sehen lassen. Die Rede,,ist auch nicht von den Jüngern, in so fern sie Lehrer ab->geben sollten, sondern in so fern sie für sich das ewige».Leben darum finden, und zur Seligkeit sollten unterrich-tet werden; welches allen Menschen zukommt. Diesesnun vorausgesetzt: so folget erstlich, daß die Bibel oderdas Buch, worinn die Offenbarung enthalten ist, in ei,ner jeden Sprache übersetzt vorhanden seyn muß, undzwar so hausig, und für so wohlfeilen Preis, daß sieein jeder zu seinem Gebrauche anschaffen kann. Es fol-get ferner, daß ein jeder Menfch die gedruckte Schriftmuß fertig lesen, und aus dem gelesenen einen Verstandheraus bringen können. Ja wenn hin und wieder eineschwere Stelle unterlauft, worauf was ankommt, somüssen sie geschickt seyn, sich durch dieErklarungs-Kunstund alle die Hülfsmittel derselben, nemlich Sprachen,Alterthümer, Historie und Wissenschaften zu helfen.Man weiß ja, wie in der Schrift selbst die Oerter ammeisten den Streitigkeiten unterworfen sind, worauf dieGlaubens-Articul gebauet werden, als, von der Drey,einigkeit Gottes, von der Gottheit Jesu, von den Ver-heissungen des Messias, von der Gnaden-Wahl, vonder Rechtfertigung, von der Taufe, vom Abendmahl,von dem Ansehen der Kirche, u. s. w. Man weiß, daßgar viele und mancherley Systemata aus der verschiede-nen Auslegung dieser Oerter geflossen sind. Wenn nundie Menschen nicht fähig sind, den wahren Sinn dersel-ben einzusehen, sondern darinn andere für sich ratheu las-sen: so ist ihr Glaube blind, unqegründet, und dependi-ret von einem Zufalle: sie wissen nicht, ob sie den Sinn

der