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Zur Geschichte und Litteratur : aus den Schäzen der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel / von Gotthold Ephraim Lessing
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an. Von historischen hatten sie nur eins, unter IosuaeNahmen, das aber von dem heutigen ganz verschiedenwar. Woher sind denn die übrigen Bücher zu den Judenkommen? wer hat sie gemacht? wer hat sie gesammlet?wer Hai sie für Canonisch erklärt? Wo sind hergegenso viele Bücher geblieben, auf welche sich die übergevlie-benen gründen und berufen, und die daher noch mehre-,,res Ansehen und Alterthum müssen gehabt haben? wosind die Bücher, welche die Apostel selbst als Schriftund Weissagung anführen, und doch in unserm heutigenalten Testamente nicht vorhanden sind? Die Schreiberdes neuen Testaments geben ihre Bücher selbst nicht fürdie göttliche Schrift aus: sie heissen nichts anders Schriftoder Bibel, als das alte Testament: sie zeigen nichl an,daß aus ihren Schriften und zwar gewissen Schriften,eine Sammlung solle gemacht, und als ein neues Testa-ment mit der Schrift altes Testaments gleiches Ansehenhaben. Ein jeder schrieb, bey Gelegenheit, wie es ihmgut dünkte. Es waren Anfangs von der GeschichteJesu viele und mancherley Erzählungen und Schriftenin der Leute Handen, die alle hin und wieder für wahreNachrichten gehalten wurden. Die Evangelisten aber,die wir noch übrig haben, sagen nicht, daß die andernEvangelia falsche Evangclia, noch daß ihnen ihre vonGott eingegeben, und also die rechten waren: sondernlucas, zum Exempel, spricht: Nachdem schon so vielesich unternommen hätten, eine Erzählung von Jesu Ge- 5schichten zusammen zu tragen, so wie es ihnen von Leu-ten, die dabey gewesen, berichtet worden; so habe esihm auch gedünkt desgleichen zu thun (^). Es ist nach( *) A->5- x?>toi I.uc. I.und