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Zur Geschichte und Litteratur : aus den Schäzen der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel / von Gotthold Ephraim Lessing
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,,And nach gekommen, daß sich die andern Evangelia ver-rohren, und daß diese viere, als die gemeinsten und be-liebtesten , die Oberhand behalten. Die Apostel habengeschrieben, ein jeder so, wie c6 Zeit und Gelegenheitgab, ohne Verabredung oder Vorsatz, ein völligesLehrgebäude in ihren Schriften zu hinterlassen; Mvei-len auch von ihren besondern Angelegenheiten. Manchevon ihren Schriften sind verlohren, andere sind ohneBefehl und Absicht der Apostel selbst, wer weiß von,,wem, abgeschrieben und gesammlet. Die eigene Hand-schristen der Apostel waren nicht aufbehalten: an man-chen Schristen wurde gezweifelt, ob sie auch von den A-Aposteln geschrieben wären: und es kam auf jedes Gut-dünken, auf allgemeinen Ruf und Sage an, ob mandiese oder jene Schrift wollte vor apostolisch durchgehenlassen: so daß noch bis ins sechste, siebente Jahrhundertmanche Bücher des neuen Testaments von gewissen Kir-schen-Vätern verworfen und nicht für canonifch erkanntwurden. Wenn denn ja die Bücher für canonifch cr-kannt worden: wie ist man damit umgegangen? Wirwissen, daß nicht allein viele Lesarten darinn befindlichsind, sondern daß auch au manchen Stellen gezweifeltworden, ob sie aufrichtig waren. Hat nicht die ganzeHistorie von den Magis aus Morgenland, das achteCapitel Zohannis, der deutlichste Spruch von der Drey-einigkeit, dre^ sind, die da zeugen ?c , in vielen, jaden ältesten Handschriften gefehler? Hat nicht HerrWettstein offenbar gewiesen, daß man mit den altenHandschriften des N. T. nicht ehrlich umgegangen ist,und mn nur Jesu Gottheit hineinzitbringen, viele Stel-len