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„worinn wir erzogen sind, bloß auf gut Vertrauen zu un-„fern Lehrern und zu allen Vorfahren und denen ersten„Urhebern annehmen, oder, so wir davon selber gründlich„überführt seyn wollen, müssen wir die Urkunden, worin„dieselbe enthalten ist, und deren Verfasser genau kennen„und untersuchen. Jenes kann nichts anders würken,„als einen blinden Glauben, da man selbst nicht weiß,„was und warum man es für wahr und göttlich hält,„sondern da man bloß das Glück oder den Zufall bestim-„men lasset, was er uns durch erbliche Verlassenschaft„unserer Eltern und Vorfahren für Meynungen und Re-ligion zugetheilet» Ein solcher Glaube ist der türkischen,„jüdischen und heydnifchen Religion, ja alles Averglau-„bens und Abgötterey gleich fähig; und kann eben daher„unmöglich allgemein werden, weil er sich blindlings„nach den Vorfahren richtet, die langst in gar verfchiede-„ne Meynungen, Sectcn und Religionen vertheilet ae-„wesen: kann auch unmöglich der Grund der Seligkeit„seyn, weil die Seligkeit nicht auf ein Glück und Zufall„beruhen kann. Ist denn aber im Gegentheil ein ge-gründeter Glaube und dazu eine Untersuchung der Ur-„kunden nöthig, welche uns ohne viele Belesenheit, Hi-„storie, Sprachen, Cricik, Wissenschaft, Nachdenken,„Wiß und Scharfsinnigkeit, unmöglich klares i,ichr geben„kann: so ist abermal offenbar, daß der Glaube an eine„Offenbarung unmöglich allgemein werden kann, weil„unter taufend der Gelehrten, ja unter taufend Gottcsge-„lahrten, kaum einer zu dieser Untersuchung fähig ist,„geschweige, daß Ungelehrte, wes Standes sie auch sind,,,zu einer Ueberführung davon gelangen könnten.
M. „Wir