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„oder auch verständliche Betrügerey ihrer Priester, und„so ferner, hallen. Wer jede Gemüths - Bewegung bey „sich, indem er etwas liefet oder höret, für ein Zeugniß„der Wahrheit und des Geistes Gottes halt, der kennet„sich selbst noch nicht, was alles für Vorstellungen in sei»„nem Gemüthe sind, die es zuweilen weich, zärtlich und„rege machen können. Dazu braucht es, zumal bey Leu-„ten, die vorher wovon eingenommen sind, und ihre Ver-nunft bey Seile setzen, keiner Wahrheit, keiner überna-„türlichen Wirkung des Geistes Gottes. Es kann ein„tröstlich Mahrlein, eine traurige Geschichte, eine leb-hafte und zum Mitleide eingerichtete Vorstellung in Fa-,,bcln, Legenden, Tragödien, Historien, und so ferner,„verrichten. Wer Wahrheit und Göttlichkeit einer Schrift„auf solche Bewegungen des Herzens ankommen läßt,„der macht seine eigene Einbildung und Weichlichkeit zum,,Richter in einer so wichtigen Sache. Allein die jüoische„und christliche Kirche hat doch von so langer Zeit diese„Bücher für göttlich gehalten, Abermal eine Verkürzung„des Beweises! Sagt mir aber, was nennet man die„Kirche? Sind es solche Leute, die die Schrift für Got-„tes Wort gehalten, oder sind es andere? Wenn jenes,„wie ich glaube, Kirche Heisset, so hat es seine Richtig-keit: welche die Bibel für Gottes Wort gehalten, die„haben sie dafür gehalten. Was soll uns aber dieMen -„ge Leute, die es so viele Jahrhunderte einer dem andern„nachgebetet? Hat einer geirret, so haben sie alle geirret.„Kann sich nicht die Meynnng, in den Zeiten der Unwis-senheit, bey der leichtgläubigen Einfalt, durch m'as„trsuöes eingefchlichen haben, und darnach mit blindem
„Eifer