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Zur Geschichte und Litteratur : aus den Schäzen der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel / von Gotthold Ephraim Lessing
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oder auch verständliche Betrügerey ihrer Priester, undso ferner, hallen. Wer jede Gemüths - Bewegung bey sich, indem er etwas liefet oder höret, für ein Zeugnißder Wahrheit und des Geistes Gottes halt, der kennetsich selbst noch nicht, was alles für Vorstellungen in sei»nem Gemüthe sind, die es zuweilen weich, zärtlich undrege machen können. Dazu braucht es, zumal bey Leu-ten, die vorher wovon eingenommen sind, und ihre Ver-nunft bey Seile setzen, keiner Wahrheit, keiner überna-türlichen Wirkung des Geistes Gottes. Es kann eintröstlich Mahrlein, eine traurige Geschichte, eine leb-hafte und zum Mitleide eingerichtete Vorstellung in Fa-,,bcln, Legenden, Tragödien, Historien, und so ferner,verrichten. Wer Wahrheit und Göttlichkeit einer Schriftauf solche Bewegungen des Herzens ankommen läßt,der macht seine eigene Einbildung und Weichlichkeit zum,,Richter in einer so wichtigen Sache. Allein die jüoischeund christliche Kirche hat doch von so langer Zeit dieseBücher für göttlich gehalten, Abermal eine Verkürzungdes Beweises! Sagt mir aber, was nennet man dieKirche? Sind es solche Leute, die die Schrift für Got-tes Wort gehalten, oder sind es andere? Wenn jenes,wie ich glaube, Kirche Heisset, so hat es seine Richtig-keit: welche die Bibel für Gottes Wort gehalten, diehaben sie dafür gehalten. Was soll uns aber dieMen -ge Leute, die es so viele Jahrhunderte einer dem andernnachgebetet? Hat einer geirret, so haben sie alle geirret.Kann sich nicht die Meynnng, in den Zeiten der Unwis-senheit, bey der leichtgläubigen Einfalt, durch m'astrsuöes eingefchlichen haben, und darnach mit blindem

Eifer