Zeitschrift 
Zur Geschichte und Litteratur : aus den Schäzen der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel / von Gotthold Ephraim Lessing
Seite
397
Einzelbild herunterladen
 

geben? Nein, er spricht nur: aber der HerrZcbaorhKar sich offenbarer vor meinen Ohren, daß euchdi^je Mijscihar nicht solle vergeben rvcrdcn, bisihr st-'rdt'r. Das ist, ihr sollt bis an euren Tod da-für aestrafr werden. Hiebey hat abermahl Clericus dieganz natürlichen Gedanken: "Wenn die Unsterblichkeit"zu diesen Zeiten bekannt gewesen wäre, so würde"sich an dicsim Orte sehr wohl geschickt haben, die"Gottlosen vor den Strafen des zukünftigen LebenS zu'"warnen. Denn die so redeten, lasst uns essen und triu-"ken, weil wir morgen sierben, die glaubten kein ander"Leben. Das ist nemlich einerley mit dem, was beym"Petro'iius stehet: Ach! ach! wie elend sind wir!"wie wird doch der ganze Mensch so bald ein Nichts!"Drum laßt uns Wohlleben, so lange wir noch sind."Solcher Gelegenheiren nun, da der Unsterblichkeit, undder zukünftigen Belodnung oder Bestrafung nohtwensdig hätte müssen gedacht werden, sind gar viele mehr,weiche ich nicht alle namhaft machen kann. Da nundie Schreiber des alt>n Testaments bey keiner auch nochso dringenden Gelegenheit, diesen wichtigen Lehr-Punctder Religion erwehnen: so folget erstlich, daß sie ihnselvst nichr müssen gewußt haben: und ferner folgtdaraus, daß, was man ihnen auch für einen Zweck bey-legt, derselbe doch keine gottliche Offenbarung einer se-ligmachenden Religion tönne gewesen seyn.

§§- Ich will aber noch mehr sagen: es ist nicht ge-nug, daß die Schreiber des alten Testaments die Uns-terblichkeit nichr lehren und erwehnen; sie leugnen sie

C c Zso-