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Zur Geschichte und Litteratur : aus den Schäzen der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel / von Gotthold Ephraim Lessing
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mah, ein Hauch. Wenn der Odem aus ist ( cum Ko-,,mo smmgm eM-zuit) so ist er nicht mehr. Demnach,daß Gott dem ersten Menschen diesen Hauch des Lebens,diese Neschamah in seine Nase geblasen, kann keinenGeist andeuten, der von der Materie unterschiedenoder unsterblich wäre. Der Mensch zichet den Odemdurch die Nase, und das thun die Thiere auch, darumauch den Thieren eine Neschamah beygelegt wird. Undwenn Ezeckiel die Belebung todter Gebeine in einemSinnbilde von der Herstellung des Volks, nach der Artder Mosaischen Schöpfung betreibt: so laßt er erst dieGebeine zusammen kommen, Fleisch und Haut daraufwachsen: aber denn ist noch kein Ruach, kein Odemin ihnen. Darauf ruft er dem Winde, der kommt her-zu aus allen vier Gegenden der Welt, und bläst dieTodten an, dann kommt Odem in sie, und sie werdenwieder lebendig. Es ist also doch ein materieller Wind,Hauch oder Odem. Wesfalls Hiob sagt: Gedenke,daß mein Leben ein Wind ist. Und Esaias brauchtdieselbe Mosaische Redens-Art zum Beweise derSterb-lichkeit; so lasier mm ab, spricht er, von dem Men-schen, der Odem har in der Najen. Dann L.ie-ber, N>ie hoch ist er zu schätzen? Das ist, ist erdoch nur ein Hauch, ein Wind. So wie David auchspricht: Verlajser euch nicht auf Fürsten , auf einMengen-Z^ind, bey dem keine Hülfe ist, seinGeist (oder Wind) n>ird auffahren (Rucho teze)er xvird nieder zur Erde werden. Demnach ha-ben auch die folgenden Hebräer Mosis Worte nicht an-,,ders erklärt, als daß er die Seele des Menschen ange--

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