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Zur Geschichte und Litteratur : aus den Schäzen der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel / von Gotthold Ephraim Lessing
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kein Leben nach diesem Leben, keine Belohnung einerSeligkeit sey, stärker an den Tag legen. Und die Aus-leger, welche an diesen Stellen künsteln, um einen an-dern Verstand herauszubringen, haben Mühe und Ar-bcit verlohren.

§§,Waren die Menschen nicht gewohnt, mit denBegriffen, die sie einmal eiugesogen, alles anzusehen,und das, was sie in ihren Gedanken haben, in allenDingen wahrzunehmen: so müßte diese Wahrheit, daßdas alte Testament von keiner Unsterblichkeit und ewi-gen Leben weiß, allen einleuchten. Aber, wir lernen erstdie Unsterblichkeit der Seelen, Himmel, Hülle und^Auferstehung aus dem neuen Testamente oder Catechis-mo, und glauben, daß eben dasselbe auch im alten Te-stamente stehen müsse. Dann lesen wir das alte Testa-ment in der Meynung und Absicht: so finden wir denndiese Satze in vielen Stellen, zumal da uns die Wör-rer Himmel, Holle, Geist und dergleichen, verleiten, zugedenken, daß sich die Hebräer eben das dabey vorges-tellet haben, was wir; ja da auch zum öftern die Ue-bersetzrmgen salfch sind, und einen Verstand darlegen,welcher durchaus in dem Grundterre nicht enthalten ist.Wenn wir ohne Vorurtheil dadey verfahren wollen, somüssen wir i) die Meynung der Schreiber des neuenTestaments eine Weile bey Seite setzen, sonst würdenwir eben das, wovon die Frage ist, schon zum Grundelegen. 2) Müssen wir uns nicht bloß auf die Uebersez?zungen verlassen, als welche schon den Verstand nachdiesem Vorurtheil etwas gediehet haben, und an man-chen Stellen offenbar unrichtig sind. Denn wer zum

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