Zeitschrift 
Zur Geschichte und Litteratur : aus den Schäzen der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel / von Gotthold Ephraim Lessing
Seite
409
Einzelbild herunterladen
 

( 4^9 )

Mensch auch nach dem Falle Gottes Ebenbild genannt.Es folget aber im geringsten nicht, daß einer, der demMenschen eine Vernunft zustehet, wodurch er Gutesund Böses unterscheiden, und sich zum Herrn über dieThiere machen kann, auch einen Begriff von der Seele^Unsterblichkeit oder Seligkeit haben müsse.

2.Der sterbende Jacob sagt in der Weissagung, dieauf den Stamm Dan gerichtet ist: zu deinem (nemlich,o Dan!) Heil, n>arre ich des Herrn / oder, hoffeich auf den Herrn. Denn so müssen diese Worteübersehet werden; nicht aber, wie einige wider die Wort-fügung und Aecente es geben: Herr, ich icvarrc aufdein Heil. Dennoch gehet man auf diese falsche Ucber-sttzung zu Werke, und weil man Heil und Seligkeitnach der Christen Sprache für eins nimmt, oder auch(per ZVletonymiüm) Christum, der uns das Heil er-wirbt, darunter verstehet: so siehet man in der an sichfalschen Ueberftßung, durch den angenommenen christli-chen Begriff, die Seligkeit und Christum . Allein, waSwäre wol für Ursache, daß dem Jakob ex üdrupro eingeistliches und ewiges Seelen-Heil bey dem StammeDan einfallen sollte? Der Stamm Dan ginge Christum ,,vielleicht weniger an, alS^die andern, und er sollte auchnicht vor andern selig werden. Es hat aber offen-bar eine Verknüpfung mit dem vorigen, daß dieserStamm sich würde niederlassen, wo gut ruhen sey, undsich bequemen, dienstbar zn werden; aber doch endlichseine eigene Herrschaft behaupten, und wie eine Schlan-ge dem Pferde m die Fersen bcissen^ daß der Reuten

Ddz her-