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Zur Geschichte und Litteratur : aus den Schäzen der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel / von Gotthold Ephraim Lessing
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her bey solchen Redens-Arten im geringsten nicht aufeine Seele, Hie vom Leibe unterschieden ist, oder vomLeibe abzusondern wäre, sondern sie denken überhauptauf die Person. Daher Simson spricht: meine Seelesterbe mir den Philistern, das ist, ich rvill mitden Philistern zugleich sterben. So war auchBileam nicht gedungen, den Zsraelitcn ein Seelen -oder geistliches Uebel, sondern leibliches Uebel anzuwün-schcn. Da sich nun der Fluch bey ihm in Segen ver-mehret , so haben wir auch unter diesen Worten einenleiblichen Segen zu verstehen. Denn einen geistlichenSegen, einen seligen Tod, hätte der Moabiter denIsraeliten vielleicht nicht mißgönnet: lit 6iuus, mocionon viuus. Der Gerechten Segen aber ist nach demBegriffe der Hebräer, daß sie alt und Lebens satt wer-den, im Friede und gutem Alter sterben: dagegen derGottlosen Fluch ist, daß sie nicht lange leben und ihrLeben nicht zur Hälfte bringen. Dieß hohe und geruhi-ge Alter der gerechten Israclitcn hängt zusammen mitihrem vorhergehenden Segen, daß sie sich Vermehrelenwie der Staub, den man nicht zahlen kann: indem ausdem langen Leben die starke Vermehrung fliestet, uudbeydes sich die Hebräer selbst gerne anzuwünschcn pfleg-ten. Daher auch Moses ihnen die Verhcissung giebt:Es N>ird reine Mtßgebährende noch Unfruchr-bare si>'N in deinem l!.ande, und ich roill dieZayl d-incr Tage erfüllen. Indem aber Bileam diesen Wmifch von den Zsraeliten zugleich auf sich -j^het, wird er als ein Prophcte aufgeführet, als ob er inder Offenbarung vorher gesehen, daß er nicht so ruhigDd 4und