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Zur Geschichte und Litteratur : aus den Schäzen der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel / von Gotthold Ephraim Lessing
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und alt, sondern vor der Zeit gewaltsam sterben wurde.Denn die folgende Geschichte giebt, daß er nachmalsim Kriege wider die Midianiter mit dem Schwerdteerwürget sey.

Nach Vileams Zeiten will sich lange kein Spruchfinden lassen, der nur irgend auf der Seelen Unsterb--lichkeit zu ziehen sey, bis man zu Davids Schriftenkömmt, woraus unterschiedliche pflegen angeführet zuwerden. Es heißt erstlich, wenigstens nach vielen auchalten Uebcrsetz'mgcn im XVI. Psalm: Du rvirstMeine Seele nicht »n der Hölle lassen, noch zu-geben, daß dem Heiliger vervo^e. Allein dieseUebersetzung ist ungetreu, da sie ohne Noth von denWorten des Grund-Textes abgehet, und dadurch denVerstand verkehret. Es Heisset eigentlich: Du nurstMeine Seele (d. i. mich ) nicht verlassen bis zumGrabe: du rvirst nichr zugeben: daß dein Hei-liger die Grube sehe. Da verstehet aber ein jeder,daß David nichts anders sagen will, als er hoffe, Gott werde ihn nicht sterben oder umkommen lassen: wie erdenn auch vorher sagt, er werde nicht umgestoßen, ( oderVom Thron gestoßen ) werden: sein Fleisch werde sicherwohnen, nemlich in dem Erbthcile, darum ihm dasLoos gefallen: und hernach, daß Gott ihm den Wegdes tebens, d. i., eines langen und glücklichen Gebens,kund thue.

An einem andern Orte spricht David: Ich null(oder, werde) dein Angesicht schauen in Gerech-tigkeit, n?enn ich errvache, null ( oder, werde)

»ich