Zeitschrift 
Zur Geschichte und Litteratur : aus den Schäzen der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel / von Gotthold Ephraim Lessing
Seite
417
Einzelbild herunterladen
 

Salomvn hier gleich darauf seinen Haupt-Satz wieder»holet: es ist alles ganz eirel, ja alles ist eirel, daSheißt, vergänglich. Will man oen Prediger in kei-nen offenbaren Widerspruch mit sich selbst setzen, so be-deutet der Geiste des Menschen, von dem er gesagt halte,daß er eins sey mit dem Geist des Viehes, nichts an-ders, als das Leben, oder den Odem. Denn das istnach der gemeinen Erfahrung wahr, daß das Leben desMenschen sowol, als des Viehes, vergehe und auf-höre. Indem er aber auf die Historie der Schöpfungsiehet, und angefangen hat, Mvsis Worte zu gcbrau-chen, daß der Mensch wieder zur Erde werde, davoner genommen ist, so fügt er auch bey dem Geiste hinzu,daß er zu Gott komme, der ihn gegeben hat, da ernemlich dem Menschen einen lebendigen Odem in seineNase eingeblasen. Denn dieser Geist, oder Odem,kömmt wieder zu Gott, in so ferne Gott, der dem Men-schen das Leben gegeben hat, es ihm auch wieder nimmt,und ihn seinen Lebens-Odem läßt wieder aushauchen:Trve?//« «i-3^«, -T'v ö' e?s ^v, wie

Euripides sagt: der Geist, oder Odem, in dieL.ufr,der Leib in die Erde. Hatte Salomo durch dieWorte, daß der Geist wieder zu Gott komme, was an-,,ders, nemlich ein freudiges Anschauen Gottes, eine Se-ligkeit, und Unsterblichkeit wollen anzeigen, so würde erhier nicht unmittelbar darauf sagen: es ist alles ganzeirel, sprach der Prediger, ja alles ist eirel. Denneitel heißt beym Salomon in diesem ganzen Buche, wasvergänglich ist, und nur eine kleine Weile daurct. Wiereimte sich nun der Schluß: Der Geist kömmt zu ei-

nem