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Zur Geschichte und Litteratur : aus den Schäzen der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel / von Gotthold Ephraim Lessing
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z.Zch will hier eben von der Wahrheit der Geschichteselbst keine Frage anstellen. Demi sonst, da diese Him-melfahrt Elia unter dem Könige Josaphat geschehenseyn soll, mögte schwer zn bcgreiffen stehen, wie E-lias einige Jahre hernach an des Zosaphars Sohn, Iv-ram , eincn Brief g.schrieben, welchen wir wörtlich indas Buch der Chroniken eingerückt lesen. Da manmm im Himmel, (man versiehe ^ufl? Sternen-oderSeligen-Himmel) keine Briefe schnibt und damit Bo-ten an die Bürger der Erden abfertiget: so mögte maneher glauben, daß Elias sich nur eine Weile verborge»,wie er sonst wohl gethan hatte, und daß, damic manihn nicht suchen sollte, ausgesprengt sey, ob wäre er genHimmel geholet worden. Denn der Brief des Eliaö,den er nach der Zeit geschrieben, hebt die Wahrheit sei-ner Himmelfahrt nothwendig auf: oder so Elias vonder Erden vorher weggeholet ist, mußte der Brief er-dicktet seyn. Allein es kömmt hier auf die Wahrheitder Geschichte nicht so sehr an, weil die Frage nur ist,ob die Schreiber des alten Testaments von einer Un-sterblichkeit oder Seligkeit der Seelen etwas gewußt:welche Meynung sie auch in Erzählung einer falschenGeschichte hatten an den Tag legen können. Demnachfragt sich nur von dcm Geschicht-Schreiber, der dieHimmelfahrt Eliä erzählet, was der für einen Begriffdabey gehabt habe. Erstlich nun kann man nicht be-Häupten, daß darinn der Begriff von der Unsterblichkeitder Seelen stecke. Denn der ganze Elias ist körperlichanfgehaben. Wie, wenn er nun irgend in eine Gegends.deö Himmels weggerissen ist, so folgte noch nicht, daß

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