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Zur Geschichte und Litteratur : aus den Schäzen der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel / von Gotthold Ephraim Lessing
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ihm eine regende Gebens-Kraft eindrücken, die ebenfalls»»nach Ezcchiels prophetischer Erscheinung durch einenWind oder Hauch aufs neue erregt ward; auch nur ei-«ne Zeitlang wahret und eben so vergänglich ist, daß derMensch dennoch zum andern male stirbet: so wie wennein Baum einmal todt ist, Gott nicht anders als durch«ein Wunder denselben wieder beleben würde; aber nie-mand daher dem Baume eine Seele zuschreiben mögte,die bisher außer ihm gewallet, und nunmehr wieder inihn hineingebracht sey. Wenigstens haben wir, wasdie menschliche Seele betrifft, weder sonst, noch auch beydiesen Erwcckungen der Todten die geringste Spur indem alten Testamente, daß die Seele außcr dem Leibeein fondaurcndcs Leben habe, und daß sie in einem seli-gcn oder unseligen Zustande sey: daß dieses allen Men-sehen widerfahre, und aller Seelen einmal mit ihren Lei-bern wieder vereiniget werden sollen: nichts als daözeit-licheLeben wird gewissen Personen ansserordentlich durch,,ein Wunder wieder geschenkt, znm Beweise der göttlichenMacht, der Sendung seiner Propheten, und der Gnadefür gewisse Personen, welchen an dem Leben dieser'Ver-dorbenen gelegen war. Ezechiels Vorstellung aber istbloß ein symbolisches Gesichte, wodurch nichts weiterangedeutet werden soll, als daß Gott das fast ganz ab-gestorbene und entkräftete jüdische Volk wieder aufs neuemit blühenden Wachsthum und frischer Kraft belebenwolle. Nun weiß man ja, daß in prophetischen Ge-richten gar nicht auf die Wahrheit oder Möglichkeit desVorbildes gesehen oder geachtet werde: das bestehet«mehrentheils in Traumen und Phantaseyen, welche für

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