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Zur Geschichte und Litteratur : aus den Schäzen der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel / von Gotthold Ephraim Lessing
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HZ.Nach der babylonischen Gefängniß kommen erst«die Zeiten, da die Juden solche Begriffe von der Seeleund deren künftigen Zustande hatten und äusserten, alswir im neuen Testamente lesen: gleichwie sie überhaupt»»von der Zeit an in ihrem ganzen Wesen, Religion und,,Sitten viel Veränderung spühren liessen. Vorhin wasren sie beständig der Vielgötterei) und Abgötterey erge-ben; sint der Zeit aber verehrten sie nimmer und nir-»,gend mehr als einen Gott Zchovah , und liessn sich liesber zu Tode martern, als daß sie fremden Göttern dies,,nen sollten. Vorhin hatten sie nimmer das Gesetz Mo-sis beobachtet; jetzt wurden sie Eiferer des Gesetzes.».Vorhin waren keine Abschriften des Gesetzes oder derPropheten in der teilte Handen, auch keine Synagogen,wo das Gesetze ordentlich gelesen und gelehret ward:jetzt wurden aller Orten hausige Synagogen aufgerich-tet, MoseS ward alle Sabbathe in den Synagogen orsdentlich gelesen und erkläret, und bald wurde solches auchbis ans die Propheten ausgedehnt: die Bücher Mosisund der Propheten wurden durch die Schreiber ^s!«^-z,/u«7-?75 oder Sopherim) so fleißig und oft

abgeschrieben, daß sie in aller Handen waren. Vorhinwar weder Gottesgelahrthcit, noch Weltweioheit beydiesem Volke; jetzt fingen sie an zu denken, ihre Ver-nunft zu gebrauchen, Lehrgebäude aufzurichten und zu,,disputiren. Vorhin war lauter Unwissenheit und Un-glauben bey ihnen, da sie noch Propheten und Wunder,,hatten; jetzt bekommen sie ohne Weissagung und Wun«der Erkenntniß und Glauben, nachdem sie die Wahrheitzu überlegen anfangen. Alle dirft Veränderungen kon-

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