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HZ. „Nach der babylonischen Gefängniß kommen erst«die Zeiten, da die Juden solche Begriffe von der Seele„und deren künftigen Zustande hatten und äusserten, als„wir im neuen Testamente lesen: gleichwie sie überhaupt»»von der Zeit an in ihrem ganzen Wesen, Religion und,,Sitten viel Veränderung spühren liessen. Vorhin was„ren sie beständig der Vielgötterei) und Abgötterey erge-„ben; sint der Zeit aber verehrten sie nimmer und nir-»,gend mehr als einen Gott Zchovah , und liessn sich lies„ber zu Tode martern, als daß sie fremden Göttern dies,,nen sollten. Vorhin hatten sie nimmer das Gesetz Mo-„sis beobachtet; jetzt wurden sie Eiferer des Gesetzes.».Vorhin waren keine Abschriften des Gesetzes oder der„Propheten in der teilte Handen, auch keine Synagogen,„wo das Gesetze ordentlich gelesen und gelehret ward:„jetzt wurden aller Orten hausige Synagogen aufgerich-tet, MoseS ward alle Sabbathe in den Synagogen ors„dentlich gelesen und erkläret, und bald wurde solches auch„bis ans die Propheten ausgedehnt: die Bücher Mosis„und der Propheten wurden durch die Schreiber ^s!«^-z,/u«7-?75 oder Sopherim) so fleißig und oft
„abgeschrieben, daß sie in aller Handen waren. Vorhin„war weder Gottesgelahrthcit, noch Weltweioheit bey„diesem Volke; jetzt fingen sie an zu denken, ihre Ver-nunft zu gebrauchen, Lehrgebäude aufzurichten und zu,,disputiren. Vorhin war lauter Unwissenheit und Un-glauben bey ihnen, da sie noch Propheten und Wunder,,hatten; jetzt bekommen sie ohne Weissagung und Wun«„der Erkenntniß und Glauben, nachdem sie die Wahrheit„zu überlegen anfangen. Alle dirft Veränderungen kon-
„nen