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Zur Geschichte und Litteratur : aus den Schäzen der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel / von Gotthold Ephraim Lessing
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rien wir keiner andern Ursache zuschreiben, als baß dieJuden durch ihre Gefangenschaft m.d Zerstreuung meh-reren Umgang mit andern Völkern, und insonderheitmit den vernünftigsten von ganz 'Asten, Africa und Eu-ropa bekamen; ben ihnen eine bessere Policey sahen,Künste und Wissenschaften lerneten, Umgang mir de»Wellweisen hatten, und ihre Bücher lasen. Die Ba-bylonier und Perser, als Herren der Juden, waren we-gcn ihrer Weisheit berühmt, und besonders hatten diealten Perser eine ziemlich gesunde und reine Gottesge-lahrtheit, und wo jemals ein Regent zugleich ein gro-ßer Weltweiser gewesen, so ist es gewiß Cyrus. Egy-plen, wo sich die Juden seit Alerandri M. Zeiten hau-fig aufhielten und große Freyheiten hatten, war einealte, jetzt noch durch die Griechen verbesserte Schule derWeltweisheit, wo alle Wissenschaften gelehret winden,wo Philo, Aristobulus und andere das ihrige erlernet»,»Die Griechen , welche sich Asten unterwürfig gemacht,und häufig da wohnten, auch wiederum die Juden untersich zu wohnen veranlasset hatten, mußten diesem Volkenothwendig etwaS von ihrem Geschmacke guter Wahr-heiten und Anstalten beybringen: und denen folgten dieRömer auf dem Fuße, welche nicht minder häufig inPalastina, als die Juden häufig in Italien und demRömischen Gebiete waren.

§Z.Nun werden wir durch die glaubwürdigsten Zmg-nisse überführet, daß alle diese Völker eine Unstcrblich-keit der Seele erkannt und gelehret haben. Pausamassagt in Messeniaciö von den Chaldaern: ich weiß,daß die Chaldäer und die Magi der Zndcr zu-

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