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Zur Geschichte und Litteratur : aus den Schäzen der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel / von Gotthold Ephraim Lessing
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erst gesagt, daß die Seele des Menschen unsterb-lich sey. Herodotus redet so von den Egyptiern , daßsie die ersten gewesen, die solches behauptet. Ihr Zeug»niß beweiset, daß beide Völker solches geglaubt, undvon langen Zeiten geglaubt, ob gleich schwer zu sagen,,ist, welche von diesen Nationen die erste gewesen sey.Die schöne Rede des sterbenden Cyrus von der Unsterb-lichkeit der Seelen findet sich beym Kenophon und beymCicero. Augustinus berichtet, daß ein Assyrier Phere-cydes dem Pythagoras zuerst von der Seelen Unsterb-lichkeit was vorgesagt, und ihn dadurch zur Weltweis-heit bewogen. Unter den Griechen hat sie nicht alleinPythagoras und Plato getrieben und fortgepflanzet,sondern Plutarchus bemerket, daß Homcrus diese Mey-mmg schon gehabt. Cicero beruft sich in diefem Stückeauf die Uebereinstimmung aller Nationen, und giebt an-derwarts zu verstehen, daß des Epicuri Meynung neusey. Da nun die Juden vor ihrer Gefangenschaft undZerstreuung von der Seelen Unsterblichkeit nichts wu-sten, noch auS ihren Schriften wissen konnten, sonderndaraus vielmehr das Gegentheil zu glauben Ursache hat-ten; nun aber, nachdem sie unter die Völker gerarhenwaren, welche der Seelen Unsterblichkeit glaubten, gleich-falls dieselbe zu glauben anfingen: so ist offenbar, daßsie diese Meynung von den fremden Nationen und de-ren Wellweisen erlernet, und um so viel williger ange-nommen haben, je mehr sie dieselbe einer vernünftigenReligion und der natürlichen Neigung des Menschen ge-mäß erkannten, und je weniger sie damals Bedenkentrugen, zu den kehren ihrer Schriftsteller unterschiedliche

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