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Zur Geschichte und Litteratur : aus den Schäzen der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel / von Gotthold Ephraim Lessing
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Zusätze zu machen, oder von deren buchstäblichem Ver-bände abzuweichen. ES wird durchgehends erkannt, daß,,die drey Secten der Juden von den heidnischen Welt-weisen viele Meynungen und Gebrauche angenommen,und dieselben mit der Gottesgclahrtheit ihrer eigenenVorfahren vermischet haben. Die Pharisäer und Essaernun behaupteten die Unsterblichkeit der Seelen und einzukünftiges j.rben; gleichwie dieSadducäer solches leug-neten. Jene hatten vieles von den Stoikern und Py-thagoräern, diefe von des Epieurus Schule geborget»Allein das war der Unterschied zwischen beiden, daß diesezu einem Grundsätze machten, nichts anzunehmen, wasnicht der buchstabliche Sinn Mosis und der Prophetenin sich hielte; jene hingegen allerley fremde Ausatzemachten und annahmen, und sich daher nicht anders zuhelfen wußten, als daß sie zur Behauptung ihrer Säßeaus Mose und den Propheten eine kün>lliche, allegori-sche Erklärung gebrauchten, wodurch sie Dinge, worandiese Schreiber nimmer gedacht, aus ihren Worten znerzwingen wußten. Die Sadvueaer würden demnachEpicuri Meynung von der Vergänglichkeit der Seelennimmer angenommen und öffentlich gelehret und ver-theidiget haben, wenn sie nicht Mosi uno den Prophe-ten nach dem buchstablichen Verstände gemäß gewesenwäre. So konnten sie sich auch bey deu Juden völligrechtfertigen, daß sie nichts lehreten, als was in Mose und den Propheten enthalten sey. Denn man hatte sichsonst billig zu wundern, daß diese an sich gegen alle Re-ligion laufende gefährliche Sätze der Sadducäer, unterden damaligen Juden, als Elferern des Gesetzes, öffent-lich