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Zur Geschichte und Litteratur : aus den Schäzen der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel / von Gotthold Ephraim Lessing
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,'lich geduldet worden, und daß die Saddueaer besfallsnicht für Ketzer erkläret und aus der Synagoge gestoßenz.worden: wenn man nicht bedächte, daß sie durch Bezie-hung auf Moftn und die Propheten leicht oben bleibenkonnten, indem kein einziger Spruch auö der ganzenSchrift auszuweisen war, welcher das Gegentheil lehret.Da nun die Juden insgemein keine andere Richtschnurdes Glaubens annahmen, so konnten die Saddncaernicht allein nach dem Gesetze nicht verstoßen oder bestraftwerden, sondern sie machten gar die vornehmste Partheyunter den Juden aus, waren bey Hofe beliebt, saßen,,mit im Synedrio, in dem Tempel und in den Synago-gen: Und ob es gleich Heisset, daß Simeon ben Sche-tach sie aus dem großen Rathe verjaget; so lesen wirdoch an vielen Orten, daß sie nachyer beständig mit dar-inn gesessen, ja daß sogar unter den hohen Priesternselbst Ananus II. und Hyrcanus I. Sadducäer gewesen.Wie gern würden die Pharisäer und alles Volk solcyeunter dem Namen derEpicurcr noch mehr verhaßtesteumerbrnctl und verbannet haben, wenn sie ihnen hättenweisen können, daß sie wider das Gesetz lehreten? DiePharisäer hatten also die i,ehre von der Seelen Unsterb-lichkeit und künftiger Belohnung oder Bestrafung nichtaus der Schrift genommen, sondern von fremden aus-wärtigen Völkern und Welrweisen entlehner: Und hat-ten so fern den wichtigsten Grund, das mangelhafte Ge-setz zu ergänzen uns zu verbessern, ja nun zuerst eine Re-ligion daraus zu machen, was bisher noch keiner Reli-gion ähnlich gesehen; wenn sie nur nicht durch andersthörichte Zasätze alles wieder verdorben, und die ganze

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