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Zur Geschichte und Litteratur : aus den Schäzen der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel / von Gotthold Ephraim Lessing
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Pharisäer waren ja, nach Matthai Berichte, am erstesÖfter - Tage sämtlich zu Pilato gegangen, hatten dieWache von ihm gebeten, und er hatte sie i!men mitge-geben. Sollte das nicht Aufsehens in der Stadt maschen, wenn der hohe Rath von siebenzig Pn-sonen inProcession zum Landpfleger gehet, wenn derselbe wiederherauskommt, eine Römische Wache hinter sich habend:ja wenn er endlich zum Thore hinauswanderr, das Grabbesichtiget, ob der Körper noch darinn sey, und alsdcnn,,das Grab Versiegelt, und die Hüter davor stellet ? Ge-wiß, dergleichen öffentliches Schauspiel am ersten Fener-tage würde alle Leute, alle Jungens rege gemacht ha«ben, hinter an zu laufen und zu schen, was das bedenk,,tete: und dergleichen Begebenheit könnte auch dem ge-ringsten Kinde, geschweige so vielen Weibern, nichtver-,,borgen geblieben seyn. Noch mehr! Joseph von An-mathia, ein heimlicher Zünger Jesu, aber zugleich einRaths-Herr, mußte ja wol entweder mit dabey seyi:^oder wenigstens davon wissen, daß man ihm Wache inseinen Garten und vor sein Grab legte: und eben daSist von Nicodemo, weil er gleichfalls ein Mitglied desRaths und ein Pharisäer war, zu sagen. Je wenigerer für einen Zünger Zesu bekannt seyn wollte, je wenigerwürde man ihn von solchem Anschlage ausgeschlossenhaben, oder denselben heimlich vor ihm treiben können.Mit diesen beiden Raths-Herren waren ja eben dieseWeiber beschäftiget gewesen, Zesu Leichnam ins Grabzu legen: und ohne Josephs Wissen und Erlaubniß,oder Befehl an den Gärtner, konnten sie sich nicht erdreis«M, in dessen Grab zu gehen, und mit dem Körper,

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