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Zur Geschichte und Litteratur : aus den Schäzen der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel / von Gotthold Ephraim Lessing
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,,sten soll ^<?ttm, bey dem andern aber bedeuten?und ist dieselbe nichr bloß ersonnen, um aus schwarzund weiß, aus vergangen und gegenwärtig eins zu ma-nchen ? Die beyden Evangelisten haben einerley Con-struction, und in derselben, wenn man sie natürlich undauf einerley Weise verstehet, wie es die Worte leiden,streiten die Evangelisten mit einander, und setzen eineHandlung auf verschiedne Zeit. Aber weil man dieftS».nicht gerne wissen will, so muß lieber diese Constrnctioilbey dem einen ganz unnatürlich und ganz anders alsbey dem andern angenommen werden» War denn nichtsdaran gelegen, daß Marcus auch, wie i.ncas, sagte, zuwelcher Zeit sie die Specerey gekauft hatten? Aller-dings: wie Lucas sagt, daß sie die Specerey am Frey-tag Abend gekauft, damit sie den Sabbath über stilleseyn könnten nach dem Gesetze: so will Marcus sagen,daß sie aus eben der Ursache den Sabbath erst übergehenlassen, und nach geendigtcm Sabbathe die Specereyeingekauft, damit sie oas Gesetz des Sabbaths nicht ü-berträten. Da nun dieses beyder Evangelisten Absichtgewesen, warum sie den Umstand des EinkanfenS derSpecerey auf eine gewisse Zeit bestimmen: so hat auchMarcus sowol als Lucas die Handlung des Einkau-fens verstanden, und sagen wollen, daß sie nicht amSabbath geschehen sey: und es ist nicht möglich, daßer den Srarum verstanden habe. Denn dadurch, daßeiner Specerey hat, wenn der Sabbath vorbey ist,wird er nicht befreyet, daß er den Einkauf nicht sollteam Sabbath selbst gethan haben. Es ist also ganz un-leugbar, daß Marcus die Handlung des Einkaufens der

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