Zeitschrift 
Zur Geschichte und Litteratur : aus den Schäzen der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel / von Gotthold Ephraim Lessing
Seite
499
Einzelbild herunterladen
 

( 499 )

^M'' -> Z»i

5)as erste Fragment bestreitet eine Sache, die nichtsweniger, als das Christenthum annehmlich zu machen,vermögend ist. Wenn es also Theologen gegeben, diedarauf gedrungen, so müssen sie wol von der Nothwen-digkeit derselben sich sehr lebendig überzeugt gefühlt ha-ben. Würden sie sonst unter das Thor, in welches sieeinzugehen ermunterten, Fußangel vor aller Augen habenstreuen wollen?

Und allerdings hat es dergleichen Theologen gege-ben: allein wo giebt es deren denn noch? Hat man denMantel nicht längst auf die andere Schulter genommen?Die Kanzeln, anstatt von der Gefangcnnehmung derVernunft unter den Gehorsam oes Glaubens zu ertönen,ertönen nun von nichts, als von dem innigen Bande zwi-schen Verminst und Glauben. Glaube ist durch Wun-der und Zeichen bekräftigte Vernunft, und Vernunft rai-fonnirender Glaube geworden. Die ganze geoffenbarteReligion ist nichts, als eine erneuerte Sanction der Re-ligion der Vernunft. Geheimnisse giebt es entweder dar-in» gar nicht; oder wenn es welche giebt, so ist es dochgleichviel, ob der Christ diesen oder jenen oder gar keinenBegriff damit verbindet.

Wie leicht waren jene Theologaster zn widerlegen,die außer einigen mißverstandenen Schriststellen nichtsauf ihrer Seite hatten, und durch Verdammung der Ver-nunft die beleidigte Vernunft im Harnisch erhielten! Siebrachten alles gegen sich aus, waö Vernunft haben wollte,und hatte.

Wie