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Zur Geschichte und Litteratur : aus den Schäzen der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel / von Gotthold Ephraim Lessing
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Sündenfalle der ersten Ackern ihre Zuflucht nehmen, ei-ne Sache zu beweisen, die dieses Beweises gar nicht be-darf. Die Mosaische Geschichte davon, erkennet er selbstfür unschuldig an solchem Mißbrauche. Aber wie es nichtwahr ist, daß daraus ein nacbherigce Verderben dermenschlichen Vernunft zu folgeru: so scheinet mir dochauch Er nicht völlig eingesehen zu haben, was darumliegt. Wenn er nehmlich sagt:daß, nach Anleitungderselben, die Prediger, als wahre Seelsorger, viel-mehr schuldig waren, ihren Zuhörern die gesunde Ver-dünnst und den Gebrauch derselben als eine untrügliche.»Richtschnur der göttlichen Erkenntniß und eines srom -«men Wandels zu empfehlen; indem unsere ersten Ael-s,tern eben darum gefallen waren, weil sie ihrer Vernunftsich nicht bedienet hatten: so erschöpft er die Sache nurZur Halste. Denn über dieses wird auch noch die Ursa-che darinn angedeutet, wie und warum ihre Vernunft un-wirksam geblieben. Mit einem Worte; die Macht un-srer sinnlichen Begierden, unsrer dunkln Vorstellungenüber alle noch so deutliche Erkenntniß ist es, welche zurkräftigsten Anschauung darinn gebracht wird. Von die-ser Macht berichtet die Mosaische Erzählung entweder die«ste traurige Erfahrung, oder ertheilet das schicklichsteBeyspiel. Factum oder Allegorie: in dieser Macht al-lein liegt die Quelle aller unserer Vergehungen, die den?Adam, des göttlichen Ebenbildes unbeschadet, eben sowohlanerschaff'en war, als sie uns angebohren wird. Wir ha?ben in Adam alle gesündiget, weil wir alle sündigen müs-sen: und Ebenbild Gottes noch genug, daß wir doch nichteben nichts anders thun, als sündigen; daß wir cs n;

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