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Zur Geschichte und Litteratur : aus den Schäzen der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel / von Gotthold Ephraim Lessing
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nehmlichen Sache ist zn verschiedenen Zeiten verschieden»Er müßte denn seine'Aussage auswendig gelernt haben:aber alsdann sagt cr nicht, wie er sich der Sache itzt er-innerlich ist, sondern wie er sich derselben zu der Zeit,als er seine Aussage auswendig lernte, erinnerlich war.

§. Sind N?ahre Widersprüche unter den Zeugenvorhanden gewesen? solche, die bey keiner billigen Versgleichung, bey keiner nähern Erklärung verschwinden?Woher sollen wir das wissen? Wir wissen ja nicht ein-mal, ob jemals die Zeugen gehörig vernommen worden?Wenigstens ist das Protokoll über dieses Verhör nichtmehr vorhanden; und wer Ja sagt, hat in diesem Be-tracht eben so viel Grund für sich, als wer Nein sagt»

Z. Nur daß, wer Nein sagt, eine sehr gesetzlicheVermuthung für sich anführen kann, die jener nicht kann»Diese nehmlich» Der grosse Proceß, welcher von derglaubwürdigen Aussage dieser Zeugen abhing, ist gewon-nen. Das Christenthum hat über die Heidnische undJüdische Religion gesiegt. Es ist da.

§. Und wir sollten geschehen lassen, daß man unsdiesen gewonnenen Proceß nach den unvollständigen, un-concertirten Nachrichten von jenen, wie aus dem Erfolgezu schliesst», glaubwürdigen und einstimmigen Zeugnissen,nochmals nach zwey rausend Jahren revidiren wolle?Nimmermehr.

§. Vielmehr: so viel Widersprüche in den Erzäh-lungen der Evangelisten, als man will! Es sindnicht die Widersprüche der Zeugen, sondern der Geschicht-schreiber; nicht der Aussagen, sondern der Nachrichtenvon diesen Aussagen.

Mm 5 Aber