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Zur Geschichte und Litteratur : aus den Schäzen der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel / von Gotthold Ephraim Lessing
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§. Aber der heilige Geist ist bey diesen Nachrichtenwirksam gewesen. Ganz recht; nehmlich dadurch,daß er jeden zu schreiben getrieben, wie ihm die Sachenach seinem besten Wissen und Gewissen bekannt gewesen.

§. Wenn sie mm dem einen so, dem andern andersbekannt war, bekannt seyn mußte? Sollte der heiligeGeist in dem Augenblicke, da sie die Feder ergriffen, lie-ber ihre verschiedncn Vorstellungen einförmig, und ebendurch diese Einförmigkeit verdachtig machen, oder sollteer zugeben, daß die Verschiedenheit beybehalten wurde,auf die ißt gar nichts mehr ankömmt?

§. Sagt man, Verschiedenheiten sind keine Wider-sprüche? Was sie nicht sind, das werden sie in demzweyten und dritten Munde. Was Verschiedenheit beyden Augenzeugen war, wird Widerspruch bey denen,welche die Sache nur von Hörensagen haben.

Z. Nur ein fortdauerndes Wunder hatte es verhin-dern können, daß in den zo bis 40 Iahren, ehe Evan-gelisten schrieben, solche Ausartungen der mündliche»Erzählung von der Auferstehung sich nicht eraugnet hat-ten. Aber was für Recht haben wir; dieses Wunderanzunehmen? Und was dringt uns, es anzunehmen?

§. Wer sich irgend einen solchen Drang muthwilligschafft, der hab es. Aber er wisse auch, was ihm so-dann obliegt: alle die Widersprüche zu heben, die sich inden verschiedenen Erzählungen der Evangelisten finden;und sie auf eine leichtere, natürlichere Art zu heben, alses in den gewöhnlichen Harmoniecn geschehen ist.

§. Daß