Ausgabe 
5 (9.2.1845) 6
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Ehrfurcht gegen den zum Glücke Seines Volkes von Gott gesetztenKönig, in Treue und Hingebung gegen das Vaterland, in Treueund Gehorsam gegen die bestellte Obrigkeit, in Treue und Unter-thänigkcit gegen die verordneten Gesetze und in Wohlwollen, Frie-den und Liebe gegeu alle Menschen. Also sind wir, dem Kaisergebend, was des Kaisers, und Gott, was Gottes ist, katholisch,geliebte Diocc sauen, und katholisch wollen wir seyn undbleiben; katholisch wollen wir leben, und katholisch wollen wirsterben, so uns Gott dazu verhelfe und seine Gnade! Gelobt seyJesus Christus! in Ewigkeit. Amen!

Ein englischer Naturforscher

über das Ilut des heiligen Januarius zu Neapel .

(Aus FroricpSneuen Notizen aus dem Gebiete der Natur - undHeilkunde," XXXI. Band, Nr. w.)

Ueber das alljährige Flüssigwerdcn des Bluts des heiligenJanuarius zu Neapel hat der bekannte Naturforscher Char-les Watertou (derselbe, welcher früher schon seineWande-rungen in Südamerika , ^VanclerinZs in soutlr-America be-schrieben) in einem so eben von ihm veröffentlichten Theile seinerSelbstbiographie folgende Beschreibung milgctheilt:Die Flasche,in welcher sich von dem Blute des heiligen Januarius befin-det, ward aus der dem Heilige» geweihten Capellc genommenund auf den Hochaltar der Kathedralkirche gestellt, worauf dasgesammte Volk die Litanei der allerscligsten Jungfrau absang undmehrere andere Gebete laut hersagte. Als dieß vorüber war,wurde die silberne Statne des Heiligen in feierlicher andächtigerProcession aus der Capelle geholt und ebenfalls auf den Hochaltargestellt. Alsdann ward das Hochamt in der dicht mit Menschengefüllten Kathedrale gefeiert und nächstdem die Flasche mit demBlute von einem Canonicus mitten in das Schiff der Kirche ge-tragen, damit alle Anwesenden, die Neigung dazu verspürten, dasBlut wirklich sehen und die Flasche küssen könnten. Es warenzwei Flaschen vorhanden; eine große, welche von dem Blute ent-hielt, wie cS wahrend der Hinrichtung des Märtyrers auö dessenWunden geflossen war, und eine kleinere, in welcher das Blutnoch mit dem Sande vermischt ist, auf welchen cS bei der Hin-richtung floß. Beide waren in einem sehr starken und schön ver-zierten Gehäuse von Silber und Glas eingeschlossen. Ich küßtedas Gehäuse und konnte mich bei dieser Gelegenheit durch denAugenschein davon überzeugen, daß das Blut fest war. Tau-sende von Menschen aller Stände, vom Fürsten bis zum Bettler,befanden sich in demselben Falle wie ich, und der Canonicus, wel-cher das Gehäuse hielt, während ich scharf in dasselbe hineinsah,bog es zum Oeftern von einer Seite zur andern, um zu zeigen,daß das Blut nicht flüssig sey, wobei er das GeHänse nur mitden Fingerspitzen berührte.

Ich habe vergessen zn bemerken, daß gleich nach Abhaltungdes Hochamtes eine Anzahl Frauen in die Capelle eingelassen Wur-den. Dieß ist ein Vorrecht, welches gewisse mit dem heiligenJanuarius verwandte Familien seit undenklichen Zeiten besitzen.Diese Frauen sagten die Litanei der seligen Jungfrau laut herund schickten andere inbrünstige Gebete zum Himmel empor, wobeisie sich in einer schwer zu beschreibenden Weise gebcrdeten. Fremde,die mit der italienischen Sprache nicht oder nur unvollkommen be-kannt sind, und die den durch einen sol-ben Act erregten Enthusias-

mus nicht theile», haben behauptet, diese Frauen schimpften undschmähcten den Heiligen, weil sein Blut nicht so schnell flüssigwerde, als man es wünsche; allein dieß ist durchaus ungegründet.Ich befand mich, während die Frauen beteten, dicht bei ihnen,und ich hörte weder Drohungen noch Schimvfwvrte, sondern nurAeußerungen der andächtigsten Begeisterung.

Als meiiie Uhr 1 Uhr Nachmittags zeigte, hatte sich dasBlut »och in keiner Weise verändert, und viele Menschen warennach Hause gegangen, so daß die Kirche bedeutend kühler gewor-den war. Genau um drei Viertel auf zwei erschien-aber Plötzlichdas Blut flüssig. Der Canonicus, welcher das Gehäuse trug,ging dicht vor mir vorüber und ich begleitete ihn bis zum Hoch-altar, wo ich die Flasche küßte und mein Gebet mit dem derVersammlung vereinigte, welche Gott den Allmächtigen für dasZeichen seiner Gnade pries, das er den Gläubigen so eben durchein unergründliches Wunder ertheilt hatte. Eine Stunde späterküßte ich die Flasche noch einmal und »ach Verlauf derselben Zeitvon Neuem u. s. w,, im Ganzen fünfmal. Dabei sah ich dennjedesmal, daß das Blut vollkommen flüssig geblieben war unddurchaus keine Neigung zum Gerinnen zeigte, obgleich um fünfUhr Abends die Luft in der Kirche sehr kühl geworden war. Umdiese Zeit küßte ich die Flasche an jenem Tage (am 19. Septem-ber) zum letzten Male. Ich war über acht Stunden fortwährendin der Kirche geblieben und hatte Alles, was sich darin zutrug,mit gespanntester Aufmerksamkeit beobachtet.

Am 23. September besuchte ich die Kathedrale von Neuem,in der Stunde von neun bis zehn Uhr Morgens, gleich nachdemin der Capelle des heiligen Januarius das Hochamt gehalten war-ben war. Ich untersuchte das Blut auss Genaueste. Es bildeteeinen Klumpen und War durchaus unbeweglich; der Canonicusdrehte die Reliquie vor meinen Augen um und um. Dieß warkeine besondere Vergünstigung. Der ärmste Mann konnte so gut,wie die Königin Wittwe, die sich gerade in der Capellc befand, indiese eintreten und die Reliquie beschauen. Wenige Minuten vor10 Uhr wurde das Blut wieder flüssig uud ich besichtigte dasselbewiederholt in seinem flüssigen Zustande, wie ich es am Nachmit-tage des 19. Septembers gethan. In meinem ganzen Leben hatnichts einen so gewaltigen Eindruck auf mich gemacht, als diesesWunder. Alle meine früheren Erlebnisse traten vor diesen, Ereig-nisse in den Hintergrund zurück, und ich spreche hiermit als meinevollkommenste Ueberzeugung aus, daß das Flüssigwerden des Blu-tes des heiligen Januarius ganz unzweifelhaft durch ein Wunderbewirkt werde." .

Das hl. Collegium am ersten Januar 1843.

Am ersten Januar 1845 bestand das hl. Collegium aus 59Eminenzen, davon 6 Cardinalbischöfe, ä3 Cardinalpriester und 10Cardinaldiacone, wornach also 11 Titel vacant waren. Der äl-teste Cardinal ist zur Zeit der Hochw. Erzbischof von Genua: Pla-cidus Maria Tadini aus dem Carmeliten-Orden, geboren denII.Oct. 1759, der jüngste aber ist der Hochw. Herr FriedrichJoh. Jos. Cölestin Fürst v. Schwarzenberg, geboren den6. April 1809, deren Geburtszeit sonach gerade ein halbes Jahr-hundert auseinander liegt. Außer den sechs Cardinalbischöfcn, die,wie bekannt die Oberhirten von sechs in der Nähe von Rom sichbefindlichen Kirchen sind, sind 23 Cardinäle zugleich noch Obcrhirtcnvon anderen Kirchen, als Patriarchaten, Erzbisthümern oder Bis-thnnl'rn.

Verantwortlicher Redacteur : L. Schönchen.

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