480
der Vergeltung getroffenen Hebertisten geröthet, da schauteRobespierre , der Leiter des Wohlfahrtsausschusses, schonnach andern Opfern aus, die seiner ungemessenen Herrsch-sucht fallen sollten. Die Cordeliers, jener engere Vereinjakobinischer Propaganda, Männer, deren wilder Fana-tismus kein Verbrechen scheute, waren dem Diktator ver-dächtig geworden. Er fürchtete ihre Entschlossenheit, welcheihm zwar oft zu Diensten gewesen, die sich aber dereinstin rascher That auch gegen ihn äußern konnte. Zudemwußte man, daß bei ihren geheimen ZusammenkünftenResolutionen gefaßt wurden, welche nichts Geringeres be-zweckten, als in der Autorität des Konvents ein Gegen-gewicht wider die Macht des Wohlfahrtsausschusses zugewinnen. Grund genug, sie unter das Messer der Guil-lotine zu bringen. Der Gefahr zu begegnen, drängtendiese in Danton , ihren Führer, dessen Kühnheit im Kon-vente niemals unterlegen war, Robespierre des Strebensnach der Alleinherrschaft zu beschuldigen und gegen ihnein Anklagedekret zu bewirken. Aber Danton glaubte, be-vor er den entscheidenden Schlag wagte, sich zuerst derZustimmung des Berges versichern zu müssen. Zudemsetzte er bei Nobespterre wohl den Willen, aber nicht denMuth voraus, ihn zu verderben. Er hatte sich getäuscht.Noch in derselben Nacht, welche einer letzten Zusammen-kunft Robespierre's mit Danton folgte, wurde dieser inVerhaft genommen, mit ihm seine Fraktionsgenossen, vondenen sich nur Wenige durch die Flucht zu retten ver-mochten. Am 6. April folgten die Cordeliers den Heber-tisten, mit welchen sie gleiche Blutschuld theilten, im Tode.*)(Schluß folgt.)
-
Zu unseren Bildern.
Kuisella.
Zu den begabteren Künstlern auf dem Gebiete der Malereizählt der besonders durch seine Genrebilder berühmt gewordeneLudwig Knaus (geboren zu Wiesbaden) . Aus allen jenenWerken, welche seinen Ruf als Genremaler begründet haben,spricht eine wahre, naive Empfindung, ein feiner Humor undeine große Mannigfaltigkeit der Charakteristik. Der Künstlerhat auch Porträte in genrehafter Auffassung, aber mit feinster,geistreicher Charakteristik gemalt. Die ecbt deutsche Richtungseiner Kunstanschauung gipfelt in der Schilderung des Kinder-lebens. Ein anmuthiges Bild von sprechender Natürlichkeitlieferte Ludwig Knaus mit „Luisella"; wir bringen heute eineDarstellung nach dem Originalgemälde.
Hohenschwangau und Ueuschwanstcin.
Hohenschwangau, königliches Scbloß im bayerischen Re-gierungsbezirke Schwaben, 3 Kilometer südöstlich von Füssen, war der Lieblingsaufenthalt des unglücklichen Königs Ludwig II. Schon im 12. Jahrhundert stand hier eine den Welsen gehörendeBurg (damals Schwanstein genannt), welche 1191 durch Kaufin den Besitz der Herzoge von Schwaben hohenstaufischen Stam-mes überging, dann dem Geschlechte der Herren von Schwangau gehörte und in der Zeit der Reformation an die AugsburgerPatrizierfamilie Paumgarten kam, welche die baufällig gewor-denen Gebäude niederreißen und 1538—47 ein neues Schloßerrichten ließ. Herrschaft und Schloß wurden 1567 von HerzogAlbrecht V. von Bayern erworben. Letzteres war zu Anfangunseres Jahrhunderts zur halben Ruine geworden und bereitszum Abbruch von einem Bauern um 200 Gulden gekauft, als1832 der damalige Kronprinz Maximilian von Bayern das Ge-bäude wieder erwarb und die Restauration desselben im GeistedeS ritterlichen Mittelalters unter Leitung Domenico Quaglio's anordnete. Er gab dem Schlosse auch den Namen Hohenschwan-gau, den bisher eine gegenüber auf dem Berzenkopf liegendeBurg geführt hatte. Seitdem gehört Hohenschwangau zu den
herrlichsten der vielen deutschen Fürstenlustsitze. In prachtvollerWald- und Gebirgsumgebung krönt es einen Vorsprung derAlpen, dessen Fuß von dem Schwansee und dem Alpsee bespültwird. Das Innere ist in seinen verschiedenen prachtvollen Sälen(Schwanrittersaal, Schyrensaal, Helden-, Hohenstaufensaal rc.)mit Fresken und enkaustischen Wandbildern von Neder, LorenzQuaglio, Lindenschmit, M. v. Schwind rc. geschmückt. Auchdurch die historischen Erinnerungen, die sich an die Stätte knüpfen,übt Hohenschwangau hohen Reiz Hier sagte Konradin beim An-tritt seines verhängnißvollen Zuges nach Italien seiner MutterLebewohl. An der Stelle der alten, eigentlichen Burg Hohen-schwangau liegt dicht an der Pöllatschlucht auf einem vorsprin-genden Bergkegel das Schloß Neuschwan st ein, von Ludwig II. während eines Zeitraumes von mehr als zehn Jahren nach denPlänen des Hofbaudirectors v. Dollmann erbaut und vom Königbis zu seiner Ueberführung nach Schloß Berg bewohnt. Instreng romanischem Stil erhebt sich das Schloß in fünf Stock-werken, über welchen noch drei Dachstühle und zwei Thürmeaufragen, und dann steigt noch der 65 Meter hohe Bergfriedüber den Dachfirsten beträchtlich empor. Die Mauern sind ausZiegelsteinen aufgeführt, zeigen gekuppelte Rundbogenfenstcr undtragen zierliche Erker und Vorspränge. Kupferplatten decken denBau; die des Daches über den dem Gebirge zugewandten Al-tanen sind stark vergoldet, so daß sie im Sonnenlicht herrlichmatt erglänzen. Auf dem einen Dachfirst thront ein 4 Meterhoher Rittersmann, auf dem andern ein 2 Meter hoher Löwe,das Wappenthier Bayerns. Schon im Jahre 1864, bald nachseinem Regierungsantritte, war im Könige der Gedanke lebendiggeworden, aus den Ruinen von Vorder- und Hinterschwangauein neues Schloß erstehen zu lassen. Am 15. September 1869fand die Grundsteinlegung statt. Das Innere des Schlosseshaucht vaterländischen Geist. Hier ist alles durchweht von demjugendfrischen, waldfrischen Hauch der deutschen Sage und Dich-tung. Hier begegnen uns die alten deutschen Dichtergestalten desLohengrin und Tannhäuser, des Parfival und Titurel, Wolframvon Eschenbach und Walter von der Vogelweide Bei allerPracht, die auch diese Räume erfüllt, sind sie doch keine kaltenPrunkgemächer, sondern die Stätte einer fürstlichen Haus- undHofhaltung. — (Unsere Illustrationen sind nach Photographienvon Ludwig Schradler in Füssen am Lech.)
---
Schachaufgabe.
Schwarz.
Weiß zieht an und setzt mit dem 2. Zuge matt.
Auflösung deS Bilder-Räthsels in Nr. 60:
Was man hofft, glaubt man gern.
Auflösung des Telegramm-Räih'els in Nr. 61:Wohlthaten still und rein gegeben,
Sind Todte, die im Grabe leben,
Sind Blumen, die im Sturm besteh'n,
Sind Sterne, die nicht untergeh'n. (Claudius.)
--KMZS--