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durch das Recht der Tcstierfreiheit am Klerus erwiesenhatten. Vielleicht fand sich auch im Testament des 1491verst. Wilhelm Uuger, Pfarrers in Monhcim, ein Legat zudiesem Zweck des Kircheubaues. Einen Theil der Mittelwird dann das Klafter selbst durch Verkauf von Gütern :c.flüssig gemacht haben. Wenigstens „lieft man in deririararolr. R. ?. 6or1>. Oliaw, das; Margarctha,
Äbtissin zu Monheim , an die Teutschen Nittcr-Ordens-Commenthur zu Blommcnthal etwelche Güter sammt demKirchensatz, Zchenden und Ehehafft zu Berubach verkanffthabe, wie solches der Kaufbrief vom Jahre 1482 be-zeuge"?°) Mit verschiedenen andern Gütern wird esauch so gegangen sein, jedenfalls um den baldigenKirchenbau zu ermöglichen. Dieser wurde aber hinaus-geschoben; verschiedene Unglücksfälle, die vielen Hagel-schläge, die in der ganzen Gegend eintraten, und Ueber-schwemmuugcn, dann große Trockenheit und Theuerung,endlich die Pest, welche Viele dahinraffte, ließen solchePläne nicht aufkommen. Dazu kamen neue Kriegs-unruhen.
Monheim gehörte um diese Zeit dem bayerischenHerzog Georg dem Reichen aus der Landshuter Linie.Da dieser ohne männliche Erben war, so sollten seineBesitzungen nach dem bayerischen Agnarenrecht und außer-dem noch nach kaiserlich bestätigter Uebereinkuuft an dieMünchner Herzoge fallen. Im Geheimen aber hatteGeorg eine Urkunde ausfertigen lassen, daß seine Be-sitzungen sein Tochtermann Ruprecht von der Pfalz erbensollte. Als bald darauf, am 1. Dezember 1503, HerzogGeorg gestorben war, wollten beide Theile: die Münchner-Herzoge als eigentlich berechtigte Erben und Ruprechtauf Grund des geheimen Testamentes, das Erbe an-treten. Ein gütlicher Ausgleich kam nicht zu Stande:so griff man zu den Waffen. Vom Kaiser wurdeRuprecht in die Acht erklärt; dieser aber wußte die reichenSchätze feines Schwiegervaters zum großen Theil an sichzu bringen und Bundesgenossen zu finden, so daß er diebesten Aussichten hatte;^) auch die Monheimer Gegendwußte er für sich zu gewinnen. Die Buchdorfer hattenihn allerdings gefangen genommen, aber „er sprach ganzholdselig, wie er war, dem wilden Haufen freundlich zu,gab ihnen drei Gulden zum Vertrinken und die bestenVerheißungen, als seinen künftig eigenen Leuten, so daßer die ganze Gemeinde für sich gewann und ihm diesevon nun an mit allem Ernste diente". So verstandRuprecht goldene Brücken zu bauen. Es wurde nun derfreie Paß von Nürnberg nach Donauwörth , wo die Kaiser-lichen standen, abgesperrt, kaiserliche Couriere abgefangenund ihre Briefe geöffnet, kurz die Keckheit auf's höchstegetrieben. Aber bald wendete sich das Blatt. In Buch-dorf wurden von den Kaiserlichen und Herzoglichen 200Firste abgebrannt und viele Leute fortgeschleppt, undnachdem hier die Fackel des Krieges angebrannt war,schwang sie sich weit in die Pfalz und nach Bayern hinein. Bei 600 Ortschaften wurden abgebrannt, esherrschte ein gegenseitiges Brennen und Morden.^) Inunserer Gegend siegten die Kaiserlichen; neben andern
Herzoge; ob mit Recht und nach welchen Urkunden, konnten wirnicht ermitteln. Die dort (Bild. Künste in Bayern ) 464angegebene Jahreszahl o. 1450 ist jedenfalls unrichtig.
'") Luidl, 8.0., Eichstättisches Heiligthum, I. Tbl., p§. 221.
") Schreiber, Bayer. Geschichte, I. Bd., p§. 399 ff.
Städten, wie Friedbcrg, Aicha, Launigen, Gundelfingen ,Wemding n. A., wurde auch Monhcim von ihnen besetztund mußte wieder dem Herzog Albrecht von München huldigen.^) Da aber in den übrigen Ländern dasKriegsglück bald auf der einen, bald auf der andernSeite war und beide Theile große Verluste erlitten, auchviele Fürsten, besonders die Bischöfe von Trier , Würz-burg, Salzburg, Eichstätt, Freising und Paffau zumFrieden mahnten, so verstanden sich die feindlichenParteien, umsomehr, da auch Ruprecht selbst und seinehabsüchtige Gemahlin Elisabeth gestorben waren, zu einemfriedlichen Vergleich, dem sogenannten „Kölner Spruch",im Jahre 1505.^) Demzufolge wurden die ErblandeGeorgs des Reichen, in welchen Monhcim lag, in dreiTheile getheilt, deren einen größten Herzog Albrecht vonMünchen, den zweiten der Kaiser für die Kriegskostenerhielt und den dritten man zu einem eigenen Herzog-thnm für die Söhne des verstorbenen Ruprecht: OttoHeinrich und Philipp, ausschied, unter dem Namen„Junge Pfalz", auch „Pfalz-Neuburg ". Dieses neu-gebildete junge Herzogthum bestand aus „Schloß, Stadtund Amt Neuburg, mit den dazu gehörigen Wäldern,wie auch Höchstädt, Launigen, Gundelfingen, Monheim ,Hilpoltstein rc."^)
Unter diesen Kriegswirren und andern Unglücksfällenwar an den Ban der Kirche nicht zu denken. Aber auchdas innere Leben des Klosters litt stark darunter. Ausdem Jahre 1480 wird uns berichtet, daß nur mehr vierCanonissen sich im Kloster befanden.
Ein Rückblick auf diese letzte Zeit des Klosters bietetuns ein trauriges Bild; die hl. Reliquien schon längstvergraben und unbeachtet, die Kirche eingeäschert, dieKlostergüter großentheils verwüstet, die Klosterbewohnerbis auf ganz wenige zusammengeschmolzen: es ist dasBild des Verfalles.
(Fortsetzung folgt.)
Litterarisches.
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^) Falckenstein, Vollst. Geschichte des großen HerzogthumöBayern , III. Thl., i^. 493.
") Ibiä. xx. 505.
'^) Falckenstein, Vollst. Gesch., px. 506.