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Was Wunder, wenn auch der Davidsohn sich zueinem Handwerk oder Kunstzweig verstand!
Das griechische -rsxrtuv, tcleton im obigen Schrift-jexte stimmt zum ägyptischen Tehuti, wie der Welt-baumeister heißt. Schon Platon vergleicht cko rspustl. X,586 den Weltschöpfer oder göttlichen Demiurgmit einem Baumeister. Architekt wird mit Ober-zimmermann übersetzt, was mir kindisch vorkömmt,ll'clrtoii soll wahrscheinlich das hebräische clmrascli wieder-geben, welches ebenso mit wibilcx wie mit lasier sichübersetzt. Ist doch auch lasier vieldeutig, und kannZimmermann, Schreiner, Schmied, überhaupt Künstler,wie aurj lasier den Gold- und Silberarbeiter bezeichnen.Dasselbe gilt von Schmied; wir haben nicht bloß denEisen-, Kupfer- und Blechschmied, sondern die Apostel-geschichte nennt uns z. B. XIX, 2-1 einen Silberschmied,und der kunstfertige Geschmeidemacher ist auch ein Schmied,ja früher galt sogar der Ausdruck Brodschmied.
Eigentlich ist Zimmern kein in Palästina üblichesHandwerk, weil es an Holz gebricht. Wie Salomon unddie Kaiser Assyriens die Stämme zu ihren Bauten vomLibanon holten, so die Phönizier ihre Mastbüume ausden Alpen . Unser Wort Brett ist punischLerotsi, Fichte und die Seestadt Beruth in Syrien führtden Namen vom Pinienwald, welcher der Sandwüste dieGrenzen setzt; ßpircr?, siretas heißt griechisch der Fichten-pfahl. Die Einfuhr aus Dnlmatien in Aegypten undan der syrischen Küste besteht seit alter Zeit herkömmlichtn Brettern. Wozu ferner der Zimmermann? Die Häuservertiefen sich, namentlich in Nazareth und Bethlehem nochheute in den Berg hinein und waren ursprünglich Höhlen-wohnungen. Jerusalem ist eben darum eine malerischeKuppelstadt mit Treppenabsätzen zu jeder Stanze,weil die Zimmer in eine Wölbung über dem Viereck sicherschwingen, indem es an Balken zur Zimmerdecke wiezum Dache gebricht. Wir sehen die Grundbedingung zumKuppelbau zuerst in der heiligen Stadt gegeben. Oliven-holz ist kurz, krumm und spröde, auch nicht die Palme,sondern nur die Cypresse konnte bei horizontaler Lagepassen. Der Talmud Lava. Lalsira toi. 15, 1 braucht6 sioro 2 ain für Waldbezirk, das Wort ist noch dazuassyrisch, und siarecsiani kömmt auf den Thoucylindernvon Asarhaddon , Tiglatpilesar und Sanherib vor; aberauf dem Steinboden beim heutigen Keraze oberhalbTelum, dem lelonium, der Zollstatt des Matthäus, kamvon jeher nur Gestrüpp fort. Für das lichte Gehölz inPeräa kam das Fremdwort ealtus auf, wovon die Stadtes Salt heißt. So wenig wie für Kunst hat der Hebräereinen eigentlichen Ausdruck für Wald. In der Wüsteersetzt das Zelt das Haus, für Vichheerden gibt es keinehölzernen Pferche oder Almhütten: zum Schutze dienenrohe Steinaufwürfc, hebräisch sialeel, arabisch ckanar ge-nannt, wozu das Material im weiten Felde liegt. Wienun, wenn wir unter rix-rm'- den Werkmeister zuverstehen haben, dann läßt sich dieser allenfalls in alterZeit nicht als geschulter Architekt auffassen, sondern alspraktisch gebildeter Mann, wie im Mittclalter Steinmetz,allenfalls Bildhauer und Palier, aber auch Baumeisterin Einer Person war.
Unter König Herodes und seinen Söhnenund Nachfolgern kam das Bauwesen in Palä-stina erstaunlich in Aufnahme. Er wollte sichvor allem die Ehre nicht entgehen lassen, den Tempel,welchen Esra nur dürftig erneuert hatte, in SalomonischerHerrlichkeit wieder herzustellen und zu dem Ziele und
Zwecke um 60 Ellen zu erhöhen. Der jüdische Geschicht-schreiber Josephus F-lavius erzählt dabei in seinen Alter-thümern XV, 11: „Herodes schaffte tausend Wage» an,um die Steine herbeizuschleppen, wählte 10000 Werk-leute aus und ließ 1000 Leviten in der Steinhauerkunstund dem Zimmerhandwerk unterrichten." Wie unterSalomon und II. Kön. XII, 12 der Steinmetzen gedachtist, so mußte auch Herodes die Werkmeister des ganzenJudenlaudeS aufbieten, und zweifelsohne befand sichJoseph von Bethlehem darunter.
Der neue Tempel bau begann 734 nach Noms Erbauung (27 ante aer. vul§.) und dauerte währenddes ganzen Lebens Jesu bis 817, wo dann JosephusAnt. XX. 9, 7 schreibt: „Da man den Tempelschatzzur Befriedigung der Bauleute verwenden wollte, undda mehr als 18 000 Bauleute müssig gingen und Ver-dienst suchten, ließ König Agrippa (der Jüngere) dieStadt mit weißem Marmor pflastern."
Die Geburt der Gnadenmutter in der LevitenstadtNazareth fällt in das Anfangsjahr 734, da sie nachkirchlicher Tradition bei ihrer Verlobung 747 in ihrem14. Jahre stand, und nichts widerspricht der Ueberlieferungdes Talmud, daß sie die Tochter Eli's von AaronitischemBlute war, daher sie als solche Base der Elisabeth unterAnordnung des Priesters Zacharias mit den Tempel-jungfrauen erzogen wurde. Halten wir' immerhin an derSt. Aunakirche fest, welche dem Tempelberge zunächstgegenüberliegt, und nach der Vcrkündnng der Immaculata,conccptro 1854 von Kaiser Ludwig Napoleon erworbenund auf französische Kosten neu hergestellt ist. Wie be-rührt sich dies mit der Vermählung mit dem DavididenJoseph! In der Folge aber scheint auch der Sohn derVerheißung und Mann der Zukunft in der Bauhütteseines Nährvaters gearbeitet zu haben und darum selberrixrauv, lad er zu heißen.
Vergleiche man hiezn den Ausspruch Christi betseinem ersten Auftreten als Messias Joh. II, 19:„Brechet diesen Tempel ab und in drei Tagen will ichihn neu bauen." Da versetzten die Juden: „Scchs-undvicrzig Jahre ist schon an diesem Tempel gebautworden und du willst ihn in drei Tagen aufrichten?"Das Wort des Herrn bezieht sich auf den dritten Tempel,welcher nach Haggai's Prophezie II, 10 größer und herr-licher als zuvor erstehen sollte. In der kssisita eotarta,die mit den Nabboth den babylonischen Talmud (500 aer.vul§.) an Alter übertrifft, ist tot. 58, 2 die Ueber-zeugung ausgesprochen: „Die Israelitin werden sich inObergaliläa versammeln und der'Messias, Sohn Josephs,ihnen zuerst sichtbar werden. Der Messias wird dannden Tempel wiederherstellen und darin opfern." Ebensolesen wir Lammiüsiar rat)Im lol. 220, 1: „Der KönigMessias wird gegen Norden aufstehen und sich rüsten,den Tempel gegen Mittag zu bauen."
Christus ist hier als Baumeister in Aus-sicht genommen: eben die Ankündigung, daß er denJchova-Tempel abbrechen und in kürzester Frist einenandern dafür bauen werde, bildete die Hauptanklage vordem Hohenrathe, und er mußte diesen Zuruf noch amKreuze hören. Mark. XIV, 58, XV, 29. Ja, dieWiederholung dieses Drohwortes führt als Lästerung derheiligen Stätte und des Gesetzes zur Steinigung desStephanus. Apstlg. VII, 14.
Beim Herodischen Tempelbau lag der Grundsteinund Opferfcls frei, wo nach der Legende Abraham seinen Sohn darbringen wollte, aber auf höhere Weisung