Ausgabe 
(15.3.1894) 11
 
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das Thieropfer anordnete, welches Christus mit der Aus-treibung der Viehbändler und ihrer Rinder und Lämmerabschaffte, um dafür das unblutige Osterlamm einzusetzen.Dieser Fels des Fundaments, Lbkir Lolratja, galtfür den Schlußstein des Abgrunds, und auf daßdie Mächte der Tiefe nicht losbrächen, sollte das immer-währende, tägliche Opfer dargebracht werden.Die Plattform dient zum Hochaltar für die Opfer, undder Stein, welcher nothwendig in jeden christlichen Altarzur Darbringung des unblutigen Laoi-itioiuirr eingefügtsein muß, ist eben ein Abbild jener ursprünglichen keti-aauf dem Berge Moria zu Jerusalem . Somit war schonder Salomonische Tempel eine Felskirche, und inBezug darauf ergeht das Wort des Herrn: In es 1'struseb supki staue pstram aeäitieasto ecolksiam maaiu.Luststet es Laestra, Felskuppel, heißt noch heute derDom über dem hochheiligen Fels, die einstige Sophien-kirche, durch deren Bau Juslinian den Judentempel anHerrlichkeit übertraf und gewissenhaft das Wort des Herrnvom bevorstehenden Neubau erfüllte: es ist die ältesteund eigentliche Peters kirche. Sie gilt seit der Besitz-nahme durch die Muslimen für die drittheiligste allerMoscheen, und mit vollstem Rechte erklärt der arabischeReisende Jakut :Es gibt in der Welt nichts schöneres."Der Anblick von Außen wie im Innern ist überraschendherrlich.

Auf eine Begebenheit bei diesem Tempelban unterJesu Augen scheint seine Anführung zu deuten:DerStein, den die Bauleute verworfen haben,ist zum Eckstein geworden, lind wer auf diesenStein fällt, der wird zerschmettert, und auf wenn er fällt,den wird er zermalmen." (Matth . XXI, 42, 44.) DasWort bezieht sich auf Jsaias XXVIII, 16:Sieh, ichlege in Sions Grundvesten einen Stein, einen bewährtenEckstein" nämlich den König Messias, wie Jnrchierklärt.

Paulus faßt das Wort I. Kor. III, 11, X, 4auf:Der Fels ist Christus, es gibt kein anderesFundament." Petrus aber führt im ersten Pastoral-briefe II, 5 f. dieß von der neuen Kirchengründung aus:So bauet euch denn auf Ihn als lebendige Steine zumgeistigen Tempel." Natürlich erklärt auch Papst Leoex. 97 den Grund- und Eckstein von Christus.Das Bild von Zermalmen scheint von I. Kön. XVI, 84hergenommen, wo vom Aufbau Jericho's die Rede ist.Selbst die Talmudisten bringen Jesus mit diesem hoch-heiligen Fels in Beziehung, wenigstens lesen wir in demodiosenGeschlechtsregist^r" Poloäotst Iksestu ll, 108:Jesus habe den geheimnisvollen Lestkwstarnpstorasost oderGottesnamen auf dem Lstkir Jostatja gelesen, und kraftdesselben seine Wunder gewirkt. Gemeint ist, daß erin die Höhle unter den Grundstein eingedrungen, woschon die Patriarchen den Namen Jehovas angerufen.Wie hebt doch der Psalmist sein Gebet mit den Wortenan:Herr, du mein Fels!"

Was wir bei Mark. III von der Begegnung miteinem Handlahmeu lesen, welchen der Herr in der Syna-goge heilte, meldet das Hebraerevangelium aus ersterQuelle von einem Steinmetz, der wohl in der Tempel-bauhütte die Hand gequetscht hatte. Beim letzten Ab-schiede vom Tempeltraten die Jünger zu ihm, umihm die Bauwerke zu zeigen und Einer nahm das Wort:Sieh doch, Meister, welche Stein Massen,welche Gebäude! Jesus aber erwiderte: Du siehstall diese mächtigen Bauten! Wahrlich sage ich euch:

kein Stein wird auf dem anderen bleiben und der Zer'störung entgehen." Mark. XIII.

Wie auffallend ist im Evangelium fortwährend vomBauwesen die Rede! Wenn Jesus nach der Angabe desEvangeliums ein sectonisches Handwerk betrieb, gleichandern Nabbinen, ist es nun verwunderlich, wenn wirdie dem Herrn zugeschriebene Tektonik von der Baukunstverstehen? Zu dieser Ueberzeugung bringt uns nochnäher die Parabel vom weisen Manne (Matth. VII,24 s., Luk. VII, 48 f.)Er ist jenem gleich, der einHaus baut und in die Tiefe grübt, um denFels zum Fundament zu nehmen. Der Regenbringt eine Ueberschwemmung und die Fluthen schlagengegen den Bau, die Winde tosen und stürmen dawider,aber sie vermögen es nicht zu erschüttern, denn es istauf Felsen gegründet. Der Thor hingegen baut aufSand oder Schutt und auf die Erde hin ohne alleGrundfeste, der Strom schlügt gegen dasselbe an, dieStürme brausen und rasen: da fällt es ein und der Ein-sturz eines solchen Gebäudes ist groß." Das Gleichnißist im Grunde von Jerusalem hergenommen, wo wegender wiederholten Zerstörungen im Laufe der Jahrhunderteder Urbau und Schotter stellenweise bis zu vierzig Fußtief liegt. Beim Bau des österreichischen Ptlgerhausesgrub man an tiefster Stelle im Thalgrund sogar bisachtzig Fuß, und die Nordseite der Sionsmauer steckt nochheute mit der Pforte Gennath im Boden, wie im Keller-grunde. Ruft doch schon Jeremias in feinen Klage-liedern II, 8 aus:Der Herr hat beschlossen, die Mauernder Tochter Sion zu zerstören, um die Zwinger steht esklüglich, in die Erde gesunken sind ihre Thore." Beimstarken Spätregen im harten Winter 1873 auf 74 warenin Jerusalem Zwanzig und mehr Häuser eingefallen, welchender Boden unter den Füßen wich, da sie nur auf Gerölleoberflächlich hingebaut waren. Jesus kannte als Bau-meister Jerusalem vom Grund aus.

In derselben Zeit herrschte rings um den See eineaußerordentliche Bauthätigkeitr denn auch der VierfürstPhilipp us verlegte seinen Sommersitz von PaneaSnach Bethsaida, und erhob dieses zum Range einerStadt, mehrte ihre Einwohnerzahl und den Wohlstandund schöpfte ihr nach der Kaisertochter Julia den Namen,wie Joscphns Tlrrti^. XVIII, 2, 1 ausdrücklich meldet.Von der Pracht seiner Bauten zeugen noch die aus demheutigen Mcsadije im weiten Umkreise zerstreuten Werk-stücke, wovon mein Freund, der Ingenieur Schumacher,in der Zeitschrift des deutschen Palästina-Vereins Ab-bildungen liefert. Bethsaida war die Heimath von dreiAposteln, Simon Petrus, Andreas und Philippus.

Der Landesherr Jesu, HerodeS Antipas , ver-legte die Residenz aus Sepphoris, der bisherigen Haupt-stadt Galiläas aus galiläische Meer und gründete dieStadt Tiberias , zn deren Bevölkerung er ein Asylauch für Hellenen eröffnete. Für sich erbaute der Vier-fürst eine Herrscherburg, das noch bestehende, freilich denEinsturz drohende Serai auf der Nordfeite der Stadt.Er richtete das stolze Schloß auch zum Arsenal ein, wasihn wegen der Eifersucht Caligulas den Thron kostete(42 n. Chr.). Wegen der dabei angebrachten Sculpturenwollte schon der zum Statthalter Galiläa's ernannte Jo-sephus den Palast dem Erdboden gleich machen, späterlegte Jesus bcn Sapphia, der Führer der Fischerinnung,Feuer an. Da der Vierfürst nebenbei in einen Kriegmit den Arabern verwickelt war, ging ihm das Geld aus,und Lukas 14, 28 hat uns die Rüge des Herrn über»