Ausgabe 
(6.12.1894) 49
 
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Schweden sogar von Freund und Feind gewarnt, undman ist ganz auf dem Holzwege, wenn man klipp undklapp mit gewissen Geschichtsschreibern annimmt, als seiGustav Adolf mit weitausgestreckten Armen empfangenworden, denn jeder erkannte, daß, wo immer er Kriegführte, wohin immer er seine Waffen wandte, Deutsch-land sein erster und letzter Gedanke war; was er betrieb,was er anstrebte, es war nur eine Vorbereitung auf denspäteren deutschen Krieg, darum war auch seine wichtigsteSorge, einen Hasen an der deutschen Nordküste zu er-langen, und zwar beschäftigte ihn dieses schon 4 Jahre,bevor er wirklich seine Invasion in Deutschland begann.Wie er in jener Zeit mit gewissen Deputationen ver-kehrte, des näheren darzulegen; würde über den Nahmenunserer Darstellung Hinausgreifen; es genügen zwei Sätzevon ihm: Uaata non surrt paota. Inter urina, sileirblegkw;" deßgleichen übergehen wir die unerquicklichen,wenn auch lehrreichen Händel und Streitigkeiten desSchwaden mit Dänemark, Mecklenburg u. a.

Wollenstem selbst, der mitunter eine sonderbare Rollespielte, durchschaute den Schweden ganz und gar undwarnte vor ihm. Besonders schrieb er derartige Warnungendes öfteren an Nrnim:er ist ein gefährlicher Nachbar,auf dessen Treue und Glauben man sich ebensowenigverlassen könne, wie auf diejenige seines SchwagersBethlen Gabor ;"auch wage der Schwede nichts imoffenen Kriege, sondern practicire heimlich."

Offen warnte Schwnrzenberg auch vor dem Schweden ,bevor er nach Deutschland kam. Er sagte nämlich:ent-weder siegt der König, und dann werden die deutschen Reichsstände durch den Schweden schärfer geknechtet sein,als es je ein Kaiser vom Hause Habsburg versuchte;oder der König wird besiegt, und dann ereilt alle die,welche zu dem Ausländer abgefallen sind, die Rache desKaisers." Und weiter sagt der gleiche Schwarzenberg,nachdem er sich dem Wahne hingegeben, daß der Schwedewohl nur eine kleine Vergütung feiner Anstrengungenhaben wolle (sehr bescheiden vom Schweden gedacht!),die er ja, wie er selbst behauptet, zum Wohle der pro-testantischen Religion gemacht:wenn aber der Schwedesich damit nicht begnügt, sondern noch weitere Dingegegen das deutsche Reich im Schilde führt, so müssenwir ihm das vertreiben. Nicht allein die Protestantenmüsse" sich znsammenthun, ihn hinauszuwerfen, sondernauch oie Katholiken helfen, daß der freche Eindringlingwieder den deutschen Boden verläßt."

Bevor wir den Schweden in Deutschland landenlassen alsBefreier", haben wir noch eine Frage, einewichtige, auszuwerfen und kurz zu beantworten, nämlichdie: beabsichtigte der deutsche Kaiser Ferdinand II. einenKrieg mit dem Schwedenkönig Gustav Adolf? Von einergewissen Geschichtsschreiberei wurde auch diese Frage be-jaht, wir verneinen sie ganz entschieden und beweisendieses unser Nein kurz in folgenden Sätzen: GustavAdolf hatte eine Stadt auf deutschem Reichsboden besetztund sammelte in Stralsnnd Truppen, soviel er konnte.Gesetzt den Fall, solches geschähe heutzutage, so wäredamit sofort ein casrm und eine eri-usa. dolli geschaffen;hätte Deutschland derartiges in Schweden gethan, wahrlich,der Schwede hätte auch sofort losgeschlagen. Der Kaiseraber wollte, wie er an Wollenstem berichtete, deßwegenkeinen Krieg. Diese Ansicht des Kaisers datirt vomJanuar 1630 aber Gustav Adolf wollte Krieg, schonlängere Zeit, wie wir schon oben nachgewiesen haben, erwollte Krieg auf deutschem Boden, obwohl selbst Oxen-

stierna im Anfang nicht für den Krieg war, sondernnur wollte, daß sich sein Herr zum Herrn des Nordensmachen sollte. Ja, Gustav Adolf vergab ja seinerseitsdurch seine Gesandten bereits deutsche Fürsteuthümer, einJahr bevor sein Fuß den deutschen Boden betrat. Ueber-gehen wir gewisse scheinheilige Verhandlungen und Unter-handlungen des Schweden , und fassen wir nun seineThaten und Unthaten ins Auge vom Sommer 1630 an,also von der Zeit an, in welcher er in Pommern landeteund dieses Land zum Veitritt nöthigte, obgleich HerzogBogislaw von Pommern Gesandte an den Schweden vorher geschickt hatte mit der Bitte, sein Land zu ver-schonen und dort nicht zu landen, worauf der Schwedeerwiderte,er habe keinen Grund, Pommern zu ver-schonen, denn der Herzog und die Stände seien in Rathund That schon feindselig gegen ihn gewesen" Hnoäorut äamonstranäuill. Er landete bei der Insel Uscdomungehindert, eine eigentliche Kriegserklärung an den Kaisererließ er nicht, er behauptete,in den Schranken der Ver-theidigung zu stehen, in welchem Falle der Krieg nichtdurch Herolde, sondern durch die Natur und von selberangesagt werde." Geht über diese Frivolität etwas inder Geschichte?

Kaum auf dem Lande angekommen, kniete er nieder,dankte Gott für die glückliche Landung, betete und fordertedie Seinen zum Gebete auf mit den Worten:Betet,meine Freunde! Je mehr Betens, je mehr Siegs!Fleißig gebetet, ist halb gefochten!" Es mag dies eintheatralisches Schauspiel gewesen sein, würdig, bei einemGustav-Adolf-Festspiel öffentlich aufgeführt zu werden,wir aber halten dieser Komödie die Worte des großenPropheten Jsaias entgegen:und ob ihr wohl eure Händeausbreitet, und ob ihr viel betet, höre ich euch doch nicht,denn eure Hände sind voll Bluts" und, fügen wir bet,eure Herzen voll Hochmuth und Heuchelei. Geradezublasphcmisch ist das Wort, das dieser sonderbareGottes-mann" nach seinen ersten kleinen Eroberungen sprach:Die Gnade Gottes ist bei mir!" Die Zeit zu seinerInvasion hatte der Schwede sehr glücklich gewählt:Wallenstein war entlassen, das Heer vermindert, dieKurfürsten in Negensburg versammelt, die Truppen tuPommern zwar den Schweden numerisch überlegen, aberohne Thatkraft. Gustav Adolf besetzte Stettin , der alteHerzog wollte die Stadt nicht übergeben, der Schwedeaber schrieb an den Magistrat der Stadt:Faßt einenEntschluß, die Sache ist dringend; die Sonne wird inBälde untergehen, und ich bin nicht gewohnt, in der Nachtauf den Wällen Schildwachen auszustellen. Eilet undnöthigt mich nicht, zu wirksameren Mitteln Zuflucht zunehmen, wenn meine Worte euch nicht überreden können."Und die Stadt wurde übergeben am 20. Juli 1630.Stettiner! Ich komme zu euch als euer Freund, umeuch und euren Fürsten von den Räubern zu erlösen.Ich komme nicht als ein großer Potentat, sondern alsein Soldat, um euch zu schützen!" Schöne Worte! nurschade, daß alles erlogen ist. Wer sind die Räuber, vordenen der Schwede die Stettiner schützen will? Er selbstwar der Räuber, der ungerufen in das Land eindrang!Der Kaiser selbst und die Kurfürsten schrieben damalsan den Eindringling nach Stettin , ein Schreiben, worinvon weiter nichts als der Geneigtheit zum Frieden undden Vorstellungen gegen einen Krieg die Rede ist. UndderNetter" Adolf, er wartete zwei Monate, bis er einegnädige" Antwort gab, und wie lautete diese Antwort:Zwar sei es schon für einen gedeihlichen Frieden zu