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Da eilte die hagere Gestalt Luigis den Baumgang entlang.
Der alte Herr sprang auf.
„Mein Sohn, er überrascht mich, — er kennt noch die alten Wegs — willkommen,tausendmal willkommen."
Eine innige Umarmung vereinte die beiden Valdini. Prüfend schaute Roberto indas Antlitz des Heimgekehrten, doch was er darin las, schien ihm wenig zu behagen.Alma aber lehnte auf's Neue todtenbleich in ihrem Sessel.
„Diese Augen", flüsterte sie tonlos — „ich kenne sie — dieselben sind es, die michanstarrten — war es Wirklichkeit, was mir geschah? Gott schütze uns und die heiligeMadonna bewahre uns vor der Macht des Bösen!"
Aus seines Vaters Armen machte sich Luigi los und wandte sich zu Alma.
„Ich hörte Gläserllang bei meinem lammen", sagte er galant, „lassen Sie auchmich ein Wohl ausbringen, Fräulein, das Wohl der Anmuth, die mir als freundlichesWillkommen entgegen tritt."
„Und ich füge hinzu, das Wohl der Freundschaft, die uns verbinden soll", riefValdini. „Roberto Ariano und Alma Wöhlert, die Tochter des Nordens —, Du kennstbeide aus meinen Briesen ."
„Und hoffe, mich ihres Zutrauens würdig zu machen", sagte Luigi, sich vor Almaverneigend und dem Offizier die Hand reichend. „Herr Roberto, Ihr seid ein treuerFreund Cures Königs — Ihr werdet ihm den zu seiner Sache Zurückgekehrten empfehlen.Ich Habs von der sardinischen Regierung meine Entlassung erbeten."
„So Recht", rief der Herr des Hauses, „Ich wußte ja, mein Sohn müsse zuden Ueberzeugungen zurückkehren, denen seine Pater anhingen."
„Ich will Euch glauben", entgegnete Roberto gemessen, „so wenig Freunde darfder König Franz noch sein nennen, daß Zweifel in Euren Worten Unrecht wäre. "Nochheute kehre ich nach Gaüta zurück, ich werde Sr. Majestät Ihren Namen nennen." —>Fast wie ein Lächeln glitt es durch Luigis Züge bei diesen Worten. Alma, die keinAuge von ihnen gelassen, erbebte. „Schütze ihn, Madonna", rang eS sich empor ausihrer Brust im stummen Gebet, — „dieser Mann will ihn verderben!"
Drittes Kapitel.
Der Abend war gekommen. Der Dämmerung Schatten senkten sich hernieder zurermatteten Erde, wie leichte Schleier. Mit stärkeren Düften, mit heimlicherem Rauschenbegrüßten Blumen und Bäume die nahende Nacht und in den Myrthenbüschen flötetendie Pögcl ihr abendliches Lied. Ein süßes Schauern ging durch die Natur und höherauf schwoll das Menscheuherz.
Bor der Villa des Herrn Valdini hielt der Diener des Hauses das Pferd RobertoArianoS, — Hand in Hand stand das junge Brautpaar zum letzten Abschied, ehr denSoldaten die Pflicht entführte. Das junge Mädchen barg ihre Thräne» nicht, auch derOffizier fühlte sich seltsam beklommen.
„Sei stark Alma", sagte er, sich zur Fassung zwingend, „ich ahne, was Dich bedrückt,es ist die Anwesenheit des Sohnes unseres theuren Wirthes. Auch ich traue diesemLuigi nicht und lasse Dich ungern in seiner Nahe. Sobald ich in Gaüta, erbitte ich denSchutz der Königin. Besser in einer belagerten Festung, als mit diesem unheimlichenMenschen länger unter einem Dache. Und nun leb' wohl, in den Schutz der heiligenJungfrau stelle Dich — sie wird uns nicht verlassen."
Er bestieg sein Pferd, noch ein letzter Gruß, ein letztes Winken und die Schattender Dämmerung hatten ihn umhüllt. Schon lange waren Reiter und Roß verschwundenund noch immer stand Alma, ihnen nachstarrend, auf demselben Fleck.
„So traurig, schönes Fräulein?" tönte eins Stimme an ihr Ohr.
Sie schrack empor. Luigi Valdini stand hinter ihr.
„Verzagen Sie nicht", fuhr er lachend fort, da das Mädchen stumm blieb, „— ichWerde versuchen, Sie zu trösten, — daß Ihnen die Zeit nicht lange dauere, bis zur