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Wiederkehr Ihres Verlobten, wenn anders ein Soldat von Wiederkehr sprechen darf."
„Ich danke Ihnen", cntgegnete Alma sich abwendend. „Hoffnung und Gebet sindmein Trost, vergönnen Sie einer betrübten Braut, dieselben sin Einsamkeit und Stillezu suchen."
Sie entfernte sich in den Garten, ohne dem jungen Mann weitere Beachtung zuschenken.
Lnigis Augen schössen Blitze.
„Du sollst diele Stunde bereuen", sagte er dumpf vor sich hin.
Zu dem zerfallenen Pavillon lenkte Alma Wöhlcrt ihre Schritte; sie öffnete dieunverschlossene Thür und betrat das Innere des kleinen Raumes.
In seiner Mitte lag ein zusammengeballtes Blatt Papier , wie achtlos weggeworfen.Wer mochte es dorthin geworfen haben? — sie wußte, daß außer ihr und höchstensdem alten Diener keiner zum Lusthause kam.
Sie hob das Papier auf, dann trat sie in den Nebenraum. Es war fast nur eineZelle zu nennen, dem Umfange nach, aber traulich hatte sie Frömmigkeit zu schmückenverstanden.
An der Wand hing ein großes Madonnenbild, das Kind Jesu in ihren Armenhaltend, kunstlos gemalt, aber von rührendem Ausdruck; vor dem Bilde erhob sich einmit einer Linnendecke bchangener Tisch, der eine Vase mit duftenden Blumen und zweiLeuchtern trug; wie an einem Altar lud es zum Beten ein.
Das heilige Kreuzeszeichen machte Alma beim Eintritt in ihr kleines Heiligthum,dann entzündete sie eine der Kerzen und entfaltete das gefundene Papier; eS enthieltnur wenige Zeilen:
„Gincomo, — er muß sterben, um jeden Preis — er ist mir im Wege. Ich ver-dopple den Preis!"
Sie kannte nicht die Hand, der Brief trug keine Unterschrift und doch so groß warihr Argwohn, so beängstigend ihre Ahnung, daß sein Inhalt sie wie ein Dolchstich traf.
Nieder warf sie sich vor dem Bilde der Jungfrau. Nette, Heiligste — rette!"
Was war'Z, das plötzlich im Nebenraum laut ward? Ihr Blut erstarrte, sie hörteTritte, Männerstimmen flüsterten, — was sollte sich an dem «»besuchten Orte vollffehen?
Mit rascher Ucberlegung blies sie die Kerze aus — noch hatte man sie nichtbemerkt, dagegen konnte sie durch eine Spalte der Thüre in den äußern Raum blicken.
Vier Männer standen in seiner Mitte, das Licht einer mitgebrachten Laterne, diesie auf ein altes Postament in einer Nische gesetzt hatten, beleuchtete ihre Züge, — Almaerkannte Bewohner der Umgegend, die ihr Valdini als Gegner der Sache des KönigSFranz bezeichnet hatte.
Wenige Minuten später und ein neuer Gast betrat den Raum — es war LuigiValdini. Auf ihr Herz preßte das Mädchen die Hand, als ob sein lauter Schlag sieverrathe.
„Freunde", nahm Luigi das Wort nach kurzer stummer Begrüßung. „Ihr seidmir als Anhänger der sardinischen Regierung bekannt, der auch ich meine Dienste geweiht,sie wird Euren Eifer zu belohnen wissen. Ich beschied Euch hierher, um Zeuge zu sein,daß durch meine Thätigkeit werthvolle Dokumente in unsere Hände gelangten. DiesenAbend hat ein bourbonischer Offizier diese Villa verlassen, um sich nach Gaeta zu begebenwichtige Papiere trägt er bei sich; er wird sie nicht an ihre Bestimmung bringen; seinBusenengel ist hinter ihm, durch mich gesandt, noch in dieser Nacht sind sie unser undihr Besitzer ruht starr und stumm an einer entlegenen Stelle, meines treuen GiacomoMesser im Rücken." ,
„Ein Mord?" — Der Aelteste der Männer ergriff das Wort: „Weiß die Re-gierung um Euren Plan, Herr?"
„Ich handle auf eigene Faust, sie wird mir danken, wenn die That geschehen."
„Sie wird Dir fluchen, Mörder, wie ich Dir fluche!"