Ausgabe 
(6.1.1883) 2
 
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Vor den erschreckten Männern stand Alma, wie im Fieber leuchteten ihre Augen.

Verrath!" Aus einer Brusttasche riß Lnigi eins Pistole, aber ehe er abdrückenkonnte, war sie ihm entwunden hinaus stürzte Alma, der Boden schien ihr unter denFüßen zu brennen, während die Männer sich von dem Elenden verächtlich wandten,-sie dienten einer Partei, keinem Mordgesellen!

Feiglinge!" grollte Lnigi ihnen nach, ist das Euer Eifer sie gehen zumeinem Vater, hier ist keine Stätte mehr für mich. Nur einen Trost habe ich: dieRache. Giacoino wird seine Pflicht thun."

-i- »

Hernieder hatte sich die Nacht gesenkt, am tiefblauen Himmel funkelten viel tausendSterne und ein treuer Wächter der schlummernden Erde, war des Mondes Silberscheibeaufgezogen am Firmament; friedliche Stille allüberall i» den Landen, selbst der FestungKanonen waren verstummt ermattet von des Tages Last und Mühen ruhten dietapferen Vertheidiger Gavtas. Nur das Königspaar wachte in schmuckloser Zelle, er-wartungsvoll des ausgcsaudten treuen Boten harrend, von dessen Bericht es abhing, obeS noch eine Hoffnung gab für einen wankenden Thron.

Des Wegs daher kam ein Reiter in mäßigem Schritt, es war Roberto Ariano.Er mochte das Thier nicht anspornen, ihm war's, als fürchte er, durch rascheres Tempoden Frieden der Nacht zu stören, die ihn mit seinem ganzen Zauber umfing. Von fern-her läutete die Glocke eines Klosters an sein Ohr und mit ihren Klängen zog Ruhe undstilles Glück in seine bedrückte Seele. Seinen Gedanken überließ er sich, sie führten ihnzur geliebten Braut und lichte Bilder der Zukunft stiegen in seiner Seele auf.

Plötzlich scheute sein Roß, der junge Reiter blickte wie aus einem Traum erwachendempor; am Wege saß auf einem Stein ein wüst aussehender Mann in einen Mantelgewickelt, ein voller röthlicher Bart umgab das unschöne Antlitz, von den Furchen eineswilddurchstürmten Daseins durchzogen. Neben ihm stand ein Pferd und zupfte an denGräsern, mit denen die aufsteigenden Seitenwände des Weges bewachsen waren.

Verzeihung, Herr", ehrerbietig zog der Fremde den Hut, während Robertomißtrauisch die Hand an seine Waffe legte,führt dieser Weg nach Gaöta?"

Er führt dorthin, habt Ihr ein Gewerbe in der Festung? Es dürfte schwerhalten, hinein zu gelangen."

Ich habe ein Gewerbe in Gaöta", entgegnete der wildsehcnde Mann' michselber zu bringen und meine Treue. So wenig es sein mag, ein Arm mehr kann immernützen und der meine gehört nicht zu den schlechtesten."

(Schluß folgt.)

GoldkSrnsr.

Stürme, stürm', Du Winterwind,

Du bist nicht falsch gesinntWie Menschemmdank ist.

Dein Zahn nagt nicht so sehrWeit man nicht weiß, woher,

Wiewohl Du heftig bist.

Friere, sricr', Du Himmelsgriimu!

Du beißest nicht so schlimmAls Wohlthat, nicht erkannt;

Erstarrst Du gleich die Muth,

Viel schärfer sticht das Blut

Ein Freund von nnS gewandt. Shakespeare .

Der kaun sich manchen Wunsch gewähren,

Der kalt sich selbst und seinem Willen lebt :

Allein wer And're wohl zu leiten strebt,

Muß fähig sein, viel zu entbehren.

Goethe.