Ausgabe 
(6.1.1883) 2
 
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* Geschichte des Dsrses rmd ehem-rligerr Klosters Vernrked»

Das Dorf Vermied, eine Stunde von Tutzing und von Seeshaupt entfernt, zumKreise Oberbaycrn, zum königlichen Bezirksamte Weilheim und zur Diözese Augsburg gehörend, ist wahrscheinlich zwischen dem achten und neunten Jahrhundert nach ChristiGeburt entstanden, geaast ist, daß schon vor dem Jahrs 1120 dahier eine Burg nebstZugehör bestanden hat. Die Bewohner des Dorfes mußten sich, weil kein Feldbau vor-handen war, wegen schlechter Viehzucht und Fischerei hart und nur mit Bauung eineswenigen Hopfens erhallen. Um ihnen einen kleinen Erwerbszweig zu verschaffen, hatOtto von Laley, einer der mächtigsten Grasen von Bayern , und sein Bruder Walther,aus der Dachauer Linie der Grasen von Scheyer-Wittelsbach entsprossen und wahrschein-lich in Folge des EbersbergerS FamstienerwerbcS au den südwestlichen Ufern des Würm-Sces begütert, im Jahre 1120 seine in Vermied gelegene Burg nebst Zugehör in einStift verändert und dasselbe den regulirten Chorherrn des hl, AugustinuS zur Wohnungeingeräumt. Diese Stiftung wurde vom Papste Caliptus II. am 12. November 1123vermöge einer Bulle bestätiget, i» päpstlichen Schutz genommen und wurden dadurch ver-schiedene Privilegien unterstützt. Der Probst und das Convent erhielten von diesem dieFreiheit, einen Probst zu wählen und einen Schirmvogt (nävooatu^) zu bestellen, hie-gcgcu auch den Befehl, dast kein Religiöse nach abgelegter Proseß ein Eigenthum besitzenund das Kloster ohne Erlaubniß des Probsies und des Conventes verlassen sollte. ImJahre 1321 hat Ludwig der Bayer , römischer Kaiser, dem Kloster die Pfarrei Tutziuggeschenkt, welche Schenkung 1329 von Nndolph Herzog in Bayern constrmirt wurde.1332 wurde dem Stifte das Patronatsrecht der Pfarrei HaunShofen ertheilt, 1333 er-hielt das Kloster Vermied alle jene Freiheiten, welche bisher andere .Klöster besessenhatten. Im Jahre 1487 haben die Herzoge Ernst und Albrecht dem Stifte die Erlaubnißertheilt, zu Fischen mit Segen, Neuschen und mit all andern Fischzeugen, als sie das vonAlters her gethan haben, welches Recht ihnen 1520 Herzog Wilhelm IV. wiederholteinräumte. Im Jahre 1459 wurde» vorn Herzoge Albert III. die Salzfuhren desKlosters von München aus zollfrei gesprochen. Jedoch war die Dotation des Klosterszu keiner Zeit eine glänzende, aber sein Einfluß auf die ganze Umgegend während derfast 700 jährigen Dauer seines Bestehens gewiß wohlthätig und segensreich. Die Anzahlder Couventualen iu den letzten zwei Jahrhunderten zwischen 1015 sich haltend,war nur immer so groß, um den gottesdienstlichen Verrichtungen im Orte selbst, sowieauch zur Pastorirung mehrerer dem Kloster einverleibten Pfarreien in der Umgegend undzur Ucberwachung des gemeinschaftlichen Haushaltes Genüge leisten zu können. Von denChorherrn des hiesigen Stiftes zeichnete sich ganz besonders Paul von Bermied aus, ermach.e der Diözese Augsburg durch seine Gelehrsamkeit und Tugend große Ehre. Erwar ein Zeitgenosse und treuer Gewährte des Probsies Geroh. Von seinem ldes Paul)Herkomme», von dem Jahre seiner Geburt, von seinen Studien meldet die Geschichte nichts,daß er in Deutschland geboren sei, ist nicht zu bezweifeln, daß Bayern sein Vaterlandwar, läßt sich vermuthen, er war ein Priester oder wie anders wollen ein Canoniker vonNegensburg. Die Priesterweihe erhielt er von Ulrich, Bischof von Passau , welcherwenigstens schon im Jahre 1124 gestorben war. AIs ein eifriger Anhänger und Ver-theidiger des Papstes Gregor des VI!., des Cölibalcs, und des gemeinsamen klöster-lichen Lebens, wurde er von verschiedenen Seiten verfolgt und gezwungen, Negensbmgzu verlassen. Er nahm seine Zuflucht in das neugestiftete Kloster der regulirten Chor-herrn des hl. Augustin zu Vermied, in dem er sich zum gemeinsamen canonischen Lebenbekannte, und in einem gottseligen Wandel sein Leben beiläufig um das Jahr 1150endete. Seine vorzüglichsten Schriften, die er hinterlassen hat sind: Vita OiwAorii ^o^tnui.und Vita 11. Ilorlucmo. Er ergriff nämlich öffentlich die Partei des Papst.s Gregorius V!l.wider die Kaiser Heinrich den IV. und V. nahm die Vertheidigung des Papstes Gre-gorius VII. auf sich und beschrieb desselben Leben, Wandel und Thaten. Was ihn zudieser Arbeit bewogen habe, gibt er aus folgende Art an:Es darf nicht, sagt er, mit