Ausgabe 
(6.1.1883) 2
 
Einzelbild herunterladen

14

Stillschweigen Übergängen werden, wie dieser starlmüthige Verfechter der Suche GottesList, Nachstellungen und Gefahren, Verläumdungen, Verhöhnungen seiner Feinde und dieGefangenschaft wüthig erduldete, und wie er mit Hilfe Gottes und durch die Fürbitteder Apostel die Feinde der Kirche besiegte. Wissen sollen die Jetztlebenden und die Nach-kommenden, wie tief das Jahrhundert dieses Papstes gesunken war und ungeziemendwäre es, die Arbeiten dieses Mannes zu vergessen, da doch die Weltlichen die Prosan-geschichte zur Nachahmung der Nachkommenschaft überliefern. DaS Beispiel dieses Papstessoll, wenn sein Andenken verewiget wird, der Kirche zur Stärke, den Gläubigen zur Ehreund den Abtrünnigen zur Schande gereichen. Durch ihn sind die ersten Grundsätze derGerechten wieder geltend gemacht worden, durch ihn hat die Kirche gesiegt und das Erdeder ewigen Glückseligkeit Festigkeit erhalten." Die selige Herluka lernte Paulus inBernried , woselbst sich zur damaligen Zeit auch ein Frauculloster befand, persönlich kennenund unterhielt mit ihr einen freundschaftlichen und heiligen Umgang. Im dritten Jahrenach ihrem Tode schrieb er ihr heiliges Leben und widmete diese Schrift seinen Mit-brüdern zum Troste.

Herluka war im Schwabenlande, wahrscheinlich in Hirsau geboren, sie diente inihrer Jugendzeit mehr der Eitelkeit als dem Herrn. Die ewige Erbarmnng Gottessuchte sie mit einer Krankheit heim, und erregte in ihr den Entschluß zur LcbcnSbesserung.Allein als sie gesund geworden war, vergaß sie auf's Neue die guten Vorsätze und kehrtezum früheren leichtsinnigen Leben zurück. Auch jetzt ward sie noch nicht verlassen vonder ewigen Liebe. Sie wurde mit leiblicher Blindheit geschlagen, damit ihr geistigesAuge sich öffne und das; sie erkenne, was ihr zum Frieden diente. In diesem Elendegelobte sie Gott, sie wolle ihr ganzes Leben seinem Dienste weihen, wenn er ihr wiederumdas Augenlicht schenke. Mit diesem frommen Gelöbnisse sendete sie einen ehernen Ningzum Grabe des hl. Märtyrers CyriakuS, um durch dieses Opfer und die Fürbitte desHeiligen an einem Auge sehend zu werden. Ihre Bitte ward erhört. Das eine Augewurde derart wiederhergestellt, daß sie an Schürfe des Gesichtes alle übertraf. Bis zumGrabe blieb ihr dieser Sinn unversehrt. Nun zog sie das Ordenskleid an und lebteganz im Dienste der armen und kranken Mitmenschen. Sie begann mit der Pflege derKinder. Wo sie ein armes, verwahrlostes Kind sah, nahm sie sich dessen an, erbettelteihm Nahrung und Gewand, reinigte und pflegte es, bis sie es verlässigen Leuten über-geben konnte. Von diesen ihren Werken der Barmherzigkeit bekam Adelheid, die frommeGemahlin des Pfalzgrafen Mangold, eins Kunde. Sie nahm die barmherzige Herlukazu sich, um vereint mit ihr Gott dienen und zum Heile des Nächsten wirken zu könne».Herluka stand mit den Seligen des Himmels in einem besonderen freundlichen Verkehre.Einst hatte sie einer Magd durch eine Nothlüge die Zurechtweisung von ihrer Frau er-sparen wollen, sogleich erschien ihr die hl. Felizitas, die Mutter der 7 Märtyrer, undgab ihr einen Verweis wegen ihrer Lüge und wegen vergeblicher Rede». Herluka tilgtediese Sünde durch Thränen der Neue und war bald wieder der Heimsuchung von Seligengewürdiget. Auch der hl. LaurentiuS, der Patron ihres nacbherigen AufenthaltsortesEpfach (am Lech zwischen Schongan und Landsberg) erschien ihr öfters. Fast immerwurde sie von ihm zur hl. Communion geleitet. Ebenso stand sie im geistigen Verkehremit dem hl. Bischöfe Wikterb von Augsburg, der lange Zeit vorher in Gott selig dahin-geschieden war, und dessen Gebeine damals in Epfach ruhten. Alle diese Gnaden-erwe.sungen hat die Selige in Epfach erfahren. Der selige Abt Wilhelm von Hirsau inSchw'aben war früher ihr Lehrer gewesen. Er hatte ihr aufgetragen, da zu verbleiben,wo ihr am meisten göttliche Heimsuchungen würden zu Theil werden. In einem himm-lischen Gefühle empfing sie vom hl. Wikterb die Versicherung, das; Epfach dieser Ort sei.Darum verblieb sie dortselbst 36 Jahre lang, bis sie von wilden Horden vertrieben,eine neue Wohnstätte aufsuchen mußte. Viele hatte sie zur LebsnSbesserung bewogenund viele Mädchen bestimmt, ihre Jungfräulichkeit unversehrt für ihren himmlischenBräutigam zu bewahren. Nach ihrer Vertreibung von Epfach wählte sie auf den Rath