Ausgabe 
(6.1.1883) 2
 
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des fromm«» und gelehrten Mönches Paulus, mit dein sie schon in Epfach in einenfreundschaftlichen Verkehr getreten war, Bernried als ihren künftigen Aufenthaltsort. InBernried lebte sie als Evuversa und setzte unter der Leitung dieses frommen Mönchesin eine enge Zelle eingeschlossen ihr beschauliches und strenges Leben fort, und beschäftigtesich nicht blos mit Gebet und Betrachtung, sondern auch mit literarischen Arbeiten underwarb sich den Ruf einer Seherin in dir Zukunft. Sie soll nämlich mit prophetischemGeiste viele Schicksale des deutschen Reiches vorhergesagt, und die berühmte HeidelbergerBibliothek, welche Maximilian der I. dem Papste Gregorius XV. schenkte, soll die Samm-lung derselben besessen haben. Sie endete gottselig ihr Leben im Jahre 11-12 in einemAlter von 52 Jahren. Ihr Leichnam wurde in der Klosterkirche begraben und wie sieim Leben ehrwürdig war den Gläubigen, wurde sie nach ihrem Tode als eine Büßerinverehrt. Ein einfaches Kreuz in einem Steine des Kircheupftasters bezeichnet die Stelleihrer Gruft. Das Stift und Dorf Bernricd wurde durch diese beiden frommen Personen,den Paulus Beruricdensis und die Herkuka, welche unter den ersten zwei Probsten, demSigiboto und Otto dem I. lebten, sogleich bekannt und berühmt.

Zur Zeit des KlosterbcslandeS waren, wie der Herr geistliche Rath und ProfessorWestenrieder in einer im Jahrs 178-1 in München herausgegebenen Beschreibung desWürin- oder StarnbergerseeS angibt, in Vermied mit einem Blick drei Kirchen zu sehen,die St. Martinskirche, die Hofmarkspfarrkirche und die Klosterkirche.

Die St. Martinskirche, an der Ostseite des Klosters gelegen, wurde nach der Säcu-larisation des Klosters abgebrochen. Zur Zeit bestehen hier nur mehr zwei Kirchen nämlichdie Klosterkirche und die ehemalige Hofmarkspfnrrkirchr mit der angebauten Grnstkapelle.

(Schlug folgt.)

Ein atiso P n rr r.

Einst waren sie jung, jetzt sind sie alt,Wie zogen so rasch die Jahre,

Wie hat die Zeit mit stiller GewaltWeis, schimmernd gebleicht die Haare!

Einst schien'-?, als tonnte sie nie vergeh',!,Iin Lenzesblühcu and WogenEinst schien da? rollende Rad zu sieh'»,llud siehe, es ist geflogen!

Wo bist du, laug entschwundener Traum,Und doch lebendig wie heute!

Wie koj'teu da unterm LiudenbauiuSo herzig die jungen Leute!

O, als sie wonnig der AbendwiudMit würzigem Dust berauschte,

O, als vom Himmel der Mond so lindManch selige» Knsi belauschte!

Und als sie fröhlich am TraualtarDie Hand sür's Leben gebunden

Ami sitzen sie still, ein altes Paar,

Und tzedenkeu vergcmg'ucr Stunden.

' Sie haben erlebt ihr schönstes Glück! In jugendsonnigen Tagen,

! Sie haben vereint mit heißem Blick

! Manch Glück zu Grab auch getragen.

! Nickn ist's der Bursch, dcr lästige, mehr,! Das Mädchen, das schelmisch lose

j Auch glücklich lastet das Lehen schwer

; So rasch entblättert die Rose.

.! Ami lesen sie gern manch heilig Worts Ritt siuueudem Ernst zusammeni Das einst gelodert, nun glüht es fort,

! Das Feuer i» sanften Flammen.

Doch einmal erlischt daZ heilste Licht,Wie tauge kann es noch dauern,

Wie wird dann Eins um da-? Andere nichtSo ichmcrzlich und einsam trauern!

Da beten die alten Herzen still:-Dein Reich, Herr, laß uns erwerben!

Und wenn's die göttliche Gnade will,Zusammen laß uns dann sterbe»!

Herrmauu Kleile.

M i s e e l S e rr.

(Der Kardinal-Erzbischof Donnet von Bordeaux,) der bekanntlich voreinige» Tagen starb, hatte bis iuS hohe Alter die Gestalt und das Aussehen einesrüstigen Greises bewahrt. Ueber das Keißwerden seines Haupthaares erzählte er selbstaus der Tribune des kaiserlichen Senats anläßlich einer Debatte über verfrühte Beerdigungen,daß er als achtzehnjähriger Jüngling als todt in die Bahre gelegt wurde und die Kraftzu schreien erst wieder erlangte, als um ihn her Todtengesänge angestimmt wurden: man